geboren in Basel, behütet aufgewachsen, polternd ausgebrochen und soeben angekommen und immer wieder ab und zu da
Das ‚polternd‘ war einem Nabelbruch bei der Niederkunft geschuldet, sozusagen eine Bruchlandung also, was den Fokus dieser Abhandlung auf den Bauchnabel – gross (aber gar nicht sooo wichtig) – hoffentlich etwas akzeptabler erscheinen zu lassen vermag (Diagnose: mea culpa)…
Diese (vermeintliche) „Bauchnabel-Show“ ist nur der Auslöser, die quasi-Exegese vom ganzen Tralala drumherum:
den Begegnungen(in der Peripherie des Bauchnabels o.ä.)!
frühe Begegnung mit Klang (durch Klang?): Ich spielte die elektrische Eisenbahn unter Mutter’s Flügel und fragte mich ständig, wie man bloss Musik festhalten und auf die Eisenbahnwagen packen könnte.
Viele wertvolle Beulen hämmerten die wunderbaren Töne und Harmonien in die arme Lokomotive o.ä…
(Buchzeichen – 1958 – als Geschenk für Bruder Philippe)…
Einmal – vermutlich 5 oder 6 Jahre alt – nahm mich Mutter an eines ihrer Abonnements-Konzerte im Stadtcasino Basel an der Seyby mit. Ein schwarzer Mann – Erroll Garner – spielte rasenden Jazz, wobei er nie auf seine Finger schaute, sondern immer nur freundlich abwesend umher äugte. „Misty“ grub sich tief in die Schatzkiste meiner geheimen Lieblinge ein.
Auf die Frage meiner Mutter, was ich werden wolle, hatte ich ihr wohl gesagt: „Musiker“! (weil man dabei immer spielt vs. arbeitet). Mutter war die beste Mutter, die ich je hatte…
Aber wie war das nun mit dem „Musik festhalten„?
Eines Abends brachte der Silberrücken ein Ultravox nach Hause:
Ein seminales Utensil, so ein Diktafon!
man konnte die SchallFolie (gleicher Werkstoff wie Tonband-Beschichtung) mit dem Fusspedal einen kleinen Sprung rückwärts springen lassen und die Aufnahme wiederholen; ergo konnte man Musik sehr wohl „festhalten“.
So nahm ich zuerst Mutters blubbernden Kartoffelstoff auf, stellte diesen Deus ex machina auf’s Klavier, drückte eine Taste (auf dem Klavier), diktierte das Fusspedal wieder und wieder und lauschte dem ewig blubbernden Kartoffelstock_Bordun auf einer Klaviernote mit periodischem Kieferbaumeln“ o.ä.
Vermutlich war Mutter doch etwas besorgt und verordnete Kinderchor. Ein erstes Erfolgserlebnis!
Sie war die beste Mutter in allen Tonarten, auch wenn sie mir manchmal mit ihren Dahlien-Stecken den Hintern versohlte… allerdings nie wirklich lange, weil ich sehr laut dazu ’sang‘, und was dachte dann auch Fam. Roth, die Nachbarn hinter dem Komposthaufen?…
Als letzter Sprössling (von 5)
blieb der Vater eine Art Transparent, weil er befand, nach 4 Lieferungen sein Soll erbracht zu haben und damit bevorzugte, seine (Frei)Zeit lieber mit seinen Hobbies und Freunden zu verbringen: Schmetterlinge sammeln und Bergtouren. Musik war für ihn „etwas für Saltimbanques“ (Gaukler). Er hörte eher Märsche, oder Studentenzoten, es sei denn, man konnte dazu „schwofen“ (tanzen). Und für die Bergtouren war ich zu klein…
In der Zwischenzeit ermordeten sie JFK. Es war ein Schock, auch wenn ich niemals vollumfänglich alle Implikationen verstehen konnte. Ich verstand, dass es die Kurven eines weniger konventionellen Lebenslaufs beeinflussen sollte…
Ca. 1965 brachte Vater den letzten Schrei nach Hause: ein „tragbares“ Philips 5857 AG Grammophon mit 4 Geschwindigkeiten.
Er schüttelte den Kopf ob der ebenfalls mitgebrachten Vinyl_Platte (André Pop’s «Délires en hifi-stéréo»), welche man stereo hören musste, indem man den Kopf zwischen die beiden Lautsprecher steckt und eine bekannte Posaunen Melodie auf „rückwärts“ erfassen kann!
Was war der Trick? Das Tonband musste eingangs mit der originalen Melodie eingespielt worden sein. Dann umgedreht, „verkehrt“ erlernt und auf diese Weise erneut auf Band aufgenommen, dann dieses Band wieder flux umgekehrt, und so entpuppte sich die Melodie dann wieder vorwärts und normal… rückwärts klingend!
Der Plattenspieler wurde mit den Lautsprechern zugedeckt… Mutter konnte keine Platten hören, weil die damaligen Geräte über keine Fein_Einstellungsmöglichkeit für die Drehgeschwindigkeit boten und verschiedene Platten hatten eben verschiedene „Eigenarten“: sie waren nicht „ge_eicht“ auf nominale 440-er_Stimmung. Meine Mutter besass absolutes Gehör, also waren Platten oft „zu hoch“ oder „zu tief“, und damit alles nur Schmerz. Deshalb las sie stattdessen einfach Partituren… Nur Clara Haskils Chopin Platte „funktionierte“…
Die ganze Familie spielte zwar Grammophon, aber dennoch war’s keine wirklich musikalische Familie. Alle Geschwister erlernten ein Instrument, aber ‚Miteinander‘, ‚Zusammenspiel‘ war ganz nid auf dem Plan. Nur eine Kusine spielt Flöte und Bruder Philippe eine Weile lang Geige, bis er auch nicht mehr den Lehrer spielte, aber dafür mit der Mutation zum Theaterdirektor die Affinität zur Musik durchaus pflegte. Philippe empfahl mir auch immer die ‚richtigen Bücher‘, wie den ‚Steppenwolf‘ (den „Fänger im Roggen“ verstand ich anfangs zwar noch nicht, dafür liebte ich Ambrose Bierce…). Er machte mich auch aufmerksam auf Musik von Herbie Mann („Memphis Underground“), Roland Kirk’s „Serenade to a cuckoo“, Th. Monks „Round about Midnight“, John Coltrane’s „Love Suprime“, „My favorite things“ und „Giant Steps“ u.v.a.m. :
(Quer)Flöte wurde Programm!
Schnell wurde alles andere zu pastell und der Chor blieb dem Stimmbruch geschuldet irgendwann im Hals stecken… zu wenig wild für blühende Fantasie + Pubertät.
1967 schlug der summer of love ein, während die Rolling Stones im Hallenstadion Zürich spielten…
und
1968 gastierten am Monsterkonzert (im Mai) Jimi Hendrix, John Mayall’s Bluesbrakers, die exzentrische Show mit Rauchbomben et all von Eric Burdon, Traffic und v.a.m…. die Schleusen waren nun vollends geöffnet. Der Bogen war gespannt von Folksongs und seinen „Derivaten“, Musik mit einer B o t s c h a f t + was aus der britischen Blues Explosion zu entstehen begann… von Steve Winwood über „Them“ und den „Kinks“ bis zur Entdeckung von Brian Wilson’s „Pet Sounds“, nebst all der herrlichen klassischen Musik, Folklore aus aller Welt, dem Wandel vom alten Swing zum neuen JazzRock und und und…
…während 1969 die Stones in Altamont den Summer of Love ausknipsten…
Im selben Jahr nahm mich mein Bruder (Philippe) mit auf die Orkney Inseln und zurück über Schottland nach London, Carnaby Street und Portobello Road.
Das Schuhputzcrème rauchen weckte die Verlockung, ein Jahr später nochmals nach London zu gehen, „auf eigene Faust“, mit Jugendfreund Andreas (R.I.P.).
Wir besuchten Ronnie Scott’s und das Marquee, machten Aufnahmen von phantastischen Konzerten wie Chris McGregor’s Brotherhood of Breath mit Duduk Pukwana, King Krimson, Keith Tippett’s Centipede, Nucleus mit Gary Burton im Ronnie Scott’s und viele anderen.
Natürlich immer alles auf Tonband gebannt mit unserem Uher 4400, da man Musik nun ja „festhalten“ konnte!…
Meine erste Platte war Bob Dylan’s „Bringing it all back home“, während der akustische Held zum elektrischen Idol mutierte.
…eine Orgel musste her, und eine Band, und ein Aufnahmegerät, und und und…
(begnadeter und erfolgreicher Allrounder) machte gerade seine Radio-Mechanikerlehre. Er bastelte einen Kopfhörerausgang zu diesem Kassettengerät der ersten Stunde und nähte es in die Skijacke… der Welt erster Ski- bzw. Walkman…
Alles verlief noch auf „Low-Fi“, der sog. Konsumenten_Ebene, weshalb auch zwingend ein portables (UHER 4400) Tonbandgerät und zwei Sennheiser-Mikrofone (MD 421) mit professioneller Tonqualität hermussten.
Ab Anfang der 60-er Jahre entstand hier auf dem alten Kontinent eine „Underground-Konzert-Kultur“, nebst all den vermeintlich „ausgedienten“ amerikanischen Blues-Heroen. In Amerika wurde Blues „altmodisch“. So schickte denn der Chesslabel_Mogul Muddy Waters und v.a.m. – darunter auch Eddie Boyd – nach England. Diese suchten sich eine adequate „Begleitband“:
Nebst Alexis Korner dienten viele Bands wie Fleetwood Mac, John Mayall, Keef Hartley, Aynsley Dunbar u.v.a.m. genau diesem „Zweck“.
Solche (talentierte) Bands lernten schnell, wurden autonom kreativ und wurden als eigenständige Bands zur Avantgarde der British Blues Explosion, woraus sich wiederum viele „Splitterstile“ entwickelten.
So gastierten ab Mitte 60-er Jahre auch in Basel epigonale Konzerte: im ‚heiligen‘ Theater spielte „Nice“, in der Kommödie debutierte „Yes“ (und „Spooky Tooth“), im Gundeli_Casino gastierten Fleetwood Mac, John Mayall (mit Mick Taylor), im Atlantis Climax Blues Band, im Albisriederhaus Chicken Shack und Ten Years After und und und… auch Montreux begann mit spannenden Debut-Konzerten wie Vanilla Fudge, Pink Floyd, Led Zeppelin, Black Sabbath u.v.a.m.
Vieles davon aufgezeichnet auf 13 cm Spulen (mit 19″/Sek)…
Selber ernsthaft Musik zu machen mit einer eigenen Band wurde offensichtlicher und dringender, aber sollte etwas in den Hintergrund rücken bis in die 70 Jahre. In der Zwischenzeit und stets auf der Jagd nach neuer Musik und neuen Sounds (und auf der Suche nach Boogie Woogie) entdeckte ich eines Tage die seltsame Plattenhülle eines Georg Kreislers, ein Makaberist, ein verkannter Wortejongleur, dessen Opernboogie ein nachdrückliches Erlebnis blieb: nie wieder sollte ich versuchen, eigene Texte zu schreiben. Viel mehr der instrumentalen Musik huldigen, auch wenn Lieder und Gedichte – gerade in Songform – grössten Stellenwert genossen.
Lange vor der Einführung von Samplern, boten sich viele Gelegenheiten, jenste Sounds zu sammeln mit denen sich zwitschern und donnern liess, von Baulärm über Wind zu Wetter oder anderem mehr.
… während das stets wachsende Archiv mit den Konzert-Aufnahmen zur Obsession wurde…
Bald wurde auch photographieren interessant. Zu Vaters alter Roley Flex 4 x 4 kam bald eine Nikon F1 (mit einer FischAugen_Linse) zum Arsenal + ein schwarz/weiss_Photolabor im Dachstock zu Hause, um all die Konzerte auch im Bild fest zu halten… schnell… nach den Konzerten gleich die Filme entwickeln, Prints abziehen und gleich am nächsten Tag womöglich in’s Hotel der Konzertgeber gehen, und signieren lassen…
Solche und andere Gelegenheiten ergaben sich In Basel z.B. beim Abholen der Gruppe ‚Yes‘ am Flughafen für deren Konzert in der „Kommödie“ (v.l.n.r.: Chris Squire, Tony Kaye, Peter Banks, Chris Welch (?) hinter Jon Anderson, Bill Bruford und ? Das Konzert interessierte mich musikalisch nicht besonders, aber der Backstage-Pass ermöglichte tolle Photos quasi „von der Bühne aus“… hier Peter Banks und Tony Kaye
(bilder aus’m Archiv)
Das Archiv ist heute in Bern, sofern der Archivar die Negative bereits gezogen hat…
Kurzum: die Entdeckung (auf einem Blue Horizon Album) sollte grossen Einfluss haben:
Sänger und Pianist aus Chicago, kam mit der „british blues invasion“ nach Europa und veröffentlichte Platten mit u.a. Peter Green’s Fleetwood Mac und John Mayall’s Bluesbreakers (als Begleitband !). Im Verlauf seiner Konzerte auf dem alten Kontinent gastierte er 10 Tage in der „Chemihütte“ in (Klein)Basel…
Die Anziehungskraft vom Blues war so stark, dass ich jeden Abend von zu Hause (über den Balkon) ausbüchste. Und eines Abends stand plötzlich meine Mutter in der verruchten Spelunke und legte einen grossen Blumenstrauss auf Eddie’s Klavier. Sie meinte, es wäre doch nett, wenn er uns zu Hause einmal besuchen komme, damit ich nicht ständig ausbüchsen müsse und – während der Schulzeit – nicht solche Mühe zum Aufstehen hätte… Eddie meinte, ja, doch, warum nicht, er würde sich mal melden. Und eines Tages rief er an und sagte: „Can you come down to the train station and pick me up?“ Ich dachte zuerst, einer meiner Schulkameraden wolle mich veräppeln, fuhr aber trotzdem mit dem Tandem an den Bahnhof… und strampelte mit ihm nach Hause zu meinen Eltern!
Eddie blieb letztendlich zu Gast während 3 Monaten. Irgendwann entdeckte er meine Querflöte (auf dem Klavier), und bestand fortan darauf, mich eher auf Flöte zu trimmen, zeigte mir riffs, licks & tricks…
…schlug dann vor, ihn auf Tournee (von Hamburg bis Berlin) zu begleiten. Die Eltern waren zu meiner grossen Überraschung einverstanden damit, und so tuckerten wir in seinem alten VW nach Norddeutschland, und dann von Hamburg bis Ostberlin!
Die eigene Band wurde lauter, das traute Zuhause immer leiser, da ich meiner ersten Stereo-Anlage (mit 2 grossen Lautsprechern, getrenntem Verstärker + Plattenspieler) Kopfhörer spendieren musste, verbarrikadierte mich stundenlang mit all den Rafinessen von Zeitgeist und Rilke, Camus und Po, Dostojewski und Borchert + blühende Fantasie + Lust auf Abenteuer + Sucht nach neuen unerhörten Klängen…
Aber bald kam – endlich – die Motorradprüfung. Damit war die Hand voll, und um nicht noch mehr davon zu werden, wurde ich nach Neuenburg „outgesourced“, um doch noch so etwas wie Ausbildung zu erfahren…
Am 1. Oktober 1971 strandete ich also am Bahnhof Neuenburg und fuhr mit dem Velo dirket in/durch das Winzerfest in vollem Gange, durch die Stadt nach St. Blaise zur Schlummermutter (Mme Matile).
Bruder Philippe kam mich sehr bald besuchen
und brachte / leihte mir seine akustische Gitarre. Damit war der erste Grundstein gelegt für’s wirkliche Selber_Machen.
Ich schürte das Feuer der eigenen Realität und in den weiteren 20 Jahren Aufenthalt in Neuenburg sollte ich dabei auch meine wirkliche Familie, den Bruder- und Schwester_Clan der Musiker, kennen lernen.
Aus diesem Gedanken schrieb ich mich ein für den lokalen „Jazz Club“ und promt lernte ich (durch einen Vortrag über die erstaunliche Live-Erfahrung mit Eddie Boyd im Ostblock) erneut Leute aus einem ganz anderen Kreis kennen. Man offerierte mir sogar eine perfekte (und preiswerte) 4-Zimmer-Wohnung beim Trompeter Claude Veuilleumien.
Unterdessen aber vorerst viel üben der Stilarten des Gitarrenspiels, wie das Strummen und das Picken. Damit erschloss sich das faszinierende Universum eines jungen Bob Dylans. Es gab damals noch keine Songbooks, aber es war der Beginn der ‚Bootleg-Aera‘, d.h. es zirkulierten massenhaft sog. Piraten/Bootleg_LP’s von Dylan, deren Texte ich allesamt heraushörte und (auf Schreibmaschine Hermes 400) niederschrieb für ein phantastisches Unikat (es brachte noch das Side-Event mit, dafür im Maschinen-Schreiben Bestnote zu erhalten…).
All diese Bootlegs beinhalteten viele unveröffentlichte Lieder, welche erst viel später öffentlich herauskamen.
1973 = (Diplom) Abschluss Handelsschule und „Petit Conservatoire de Neuchâtel“ bei/mit Meister André Pépin… und heuerte bei Musik Hug, Neuenburg an.
1974 im Auftrag für alle Hug Filialen reiste nach USA für Grosseinkauf von Schallplatten (Jazz und Cutouts).
Für diese Gelegenheit nahm ich mir 3 Monate unbezahlten Urlaub und fuhr mit zwei Freunden (mit der letzten Überfahrt der SSFrance!) von Calais nach New York, inkl. den 3 Motorrädern… Von dort dann die breiteste Strecke des Kontinents (von Halifax nach Vancouver). Alles ohne Helm. Lediglich mit Fliegermütze! (Helmtragen wurde erst später obligatorisch…)
In Vancouver’s Gastown tingelte ich mit Gitarre und Mundharmonika Lieder von Bob Dylan, Leonard Cohen, Boris Vian, Tom Paxton, Phil Ochs u.v.a., sogenannte ‚topical songs‘:
als Busker für’s Rückfahrtsbillet…
1975 wurde durch die Petrol-Krise der Arbeitsmark ausgedünnt, bzw. Hug kündigte meine Stelle (dafür fuhr man auf den Autobahnen Rollschuh), worauf ich im Temple du Bas die Gruppe „Van der Graf Generator“ organisierte und im Herbst dann in der „Collegiale“ die ‚Stars of Faith’… Diese Organisationstätigkeit brachte zwar viel interessante Erfahrungen und Bekanntschaften (z.B. Jerome Van Jones, R.I.P.), aber keine gesicherte Ein- und Zukunft, also raufte ich mich mit Schlagzeuger Denis Progin (R.I.P.) zusammen für die Eröffnung des „Jazzland“ an der ruelle du Pérou (vormals „Spot“ Club) + eigener Plattenladen im Hinterzimmerlein, wo früher die Kondom-Maschine und die Flipper-Kästen standen.
Es sollte zu einem zusätzlichen Treffpunkt für eine eigene Szene werden, mehrheitlich „schrägem Optimismus“ zugewandt…
1976
am 1. Oktober organisierte ich im Temple du Bas ein Konzert mit der ProgRock_Band „Gentle Giant“ (Vorgramm: „Banco del mutuo soccorso“)…
Damit wir im Jazzland Alkohol ausschenken konnten (was sonst nur am Abend legal war), schrummelte ich am Nachmittag Gitarre, lud Freunde ein, wobei JamSessions verschiedenster Couleur „passierten“…
Mit diesen „Nachmittags-Konzerten“ umgingen wir das Verbot vom Alkohol-Ausschank… es läuft also nur, wenn Musik läuft…
Schnell kamen Kollegen hinzu für so ein vortreffliches Übungslokal und wir nannten uns „Clever Bastards“, und wurden eine Band!
(v.l.n.r.) Andy Duggan, Olivier Vuille, Joël ? und Ho Kuss Po Kuss…
Natürlich war Eddie Boyd einer der „frühen Gäste“ im Jazzland und so sah ich meinen Freund doch wieder einmal zu Hause ganz gemütlich (hier in Colomber) mit meinen Siamesen (King und Kong)
Während am Abend fabelhafte Konzerte stattfanden (mehrheitlich Jazz). Als Sound-Techniker im Haus hatte ich das Privileg, phantastische Konzerte aufzunehmen.
Mittlerweile hatte ich das Uher (4400)_Bandgerät dem Hausmeister des „Temple du Bas“, dem liebenswerten und hilfreichen Peter Meier, übergeben und das famoses JVC-Kassettendeck trat seinen Dienst an, womit ein fabelhaftes Archiv entstand…
Um solche Aufnahmen ranken sich immer strube Geschichten… um dem ein wenig vorzubeugen, setzte ich mit Denis Progin (dem „Herr Jazzland“) ein Papier auf mit dem Einverständnis all der famosen Künstler vom „Hauptlieferanten“, dem Agenten Willy Leiser, welches das Jazzland und Victor Disques vor juristischem Unbill (bösartigen Verleumdungen von wegen ‚Bootleg‘ und/0der anderer Attacken dieser Art) schützen sollte. In keiner Weise wurde und/oder wird mit einer „pekuniären Veröffentlichung“ spekuliert o.ä.
Dieses Archiv wurde mittlerweile ausgesprochen high-teckisch digitalisiert und stünde einem „offiziellen Archiv“ zur Verfügung. Aber das Desinteresse daran lässt dieses Vorhaben (leider) bis heute in der Schwebe…
Dafür genossen wir umsomehr die heissen Abende wie z.B. mit Jerome Van Jones (R.I.P.) an der Hammond-Orgel und vielen anderen mehr…
1978 wurde ich der Erfolglosigkeit müde, wollte musikalisch selbst mehr Hand anlegen, und entschied für einen Neustart, eine Neu-Orientierung. Nur „Musik konsumieren“ war keine Perspektive. Ich wollte „der Musik begegnen“, Musik leben.
Allerdings mussten die aufgelaufenen Schulden zuerst abgearbeitet werden (schuldenfrei werden vor 30!…) und entschied ich mich für einen 8 bis 5 Job und heuerte als krawattierter Bürogummi an bei der prestigeträchtigen Firma „Métaux Précieux“ (später Metalor). Als Handelsschulabsolvent und fliessend 3-sprachig, gelang eine steile Karriere vom Handelsbevollmächtigten zum Prokuristen und ich packte die Gelegenheit beim Schopf, richtete mich in Colombier mit einem „dezidierten Zimmer zum Aufnehmen“ ein…
…im Keller, das Schlagzeug von Freund Gilles Rieder…
…während Métaux Précieux mich nach HongKong delegierte, und mich (mit semi-Regierungsaufträgen) nach Bombay entsandte.
Bei der Rückkehr aus Nepal (nach 3 wöchiger Auszeit) kündigte ich fristlos und enterte schulden- und vogelfrei eine neue Dezenie mit neuem Elan…
mandatierte mich ein Segelclub aus la Chaux-de-Fonds für eine Filmmusik zu einem Segel-Rennen, wofür ich die vormals gemietete 8-Spur HalbZoll_Otari Bandmaschine kaufte.
Der Freiheit nach Métaux Précieux geschuldet folgte unmittelbar eine Gelegenheit, als Freelance für eine Firma zu arbeiten, die „blauen Himmel“ (Werbung) verkaufte in aller Herren Länder. Globetrotten und gut verdienen!
Reisen nach Jeddha, Kolumbien, Ecuador, Jamaica, Yugoslavien u.a.m.
Neue Sounds, unbekannte Musik und Instrumente…
Töne und Schatten!
Das Privileg nicht zu müssen… keine Konzessionen… nur inspirierende Mandate annehmen…
Dem ultimativen SOUND begegnen…
1981 Die Gunst der Stunde, bzw. das Aufkeimen von „Barn-Business“-Studios bekräftigten den Moment, ein Soundcraft 600 Mischpult zu erwerben und ein kleines Studio einzurichten…
1982 heuerte mich (und meinen neuen „Prophet 10“ Sequenzer) die Gruppe „Code“ als Keyboarder an
Die Band bestand aus Frontmann Dominique Stehlé (begnadeter Texter, Schauspieler und Sänger) und Gitarren-Virtuoso Yves Roth und Bassist Olivier Vuille. Nach 3 Wochen intensiver Proben und Repertoire_Aufbau gewannen wir einen Wettbewerb, erhielten dafür StudioZeit für eine 45t_Single („L’ennemi de l’intérieur“), Radiointerviews und zahlreiche Konzertangebote + eine Migros-Tour durch die Schweiz mit der damals populärsten Deutschschweizer Punkband „The Bucks“…
Leider existiert nur wenig ‚footage‘ dieser ausgezeichneten Formation, wie z.B.: „L’ennemi de l’intérieur“ „Night Train“ „Les derniers 10 balles“ „Au coeur du drame“ „Les rendez-vous manqués“
Die kurze Karriere endete traurigerweise mit dem Tod von Dominique (am 1. August 1983). Grund genug, 10 Jahre lang nie wieder live zu spielen (bis 1993 an der Hammond mit Rico) bzw. die Ärmel hochzukrempeln und – um den Ausbau des Studios zu finanzieren – wieder mal mit dem leidigen blauen-Himmel-verkaufen eine Weile Vorlieb zu nehmen.
1984, nach der Rückkehr aus Columbien begleitete ich „Débile Menthol“ hinter den eisernen Vorhang im Rahmen eines „KulturAustauschs“ für progressive Musik. Ein grossartiges Missverständnis!
Eine Band aus der Schweiz (für eine Tournee in Ungarn und Tschechien) und eine Band aus Ungarn (für eine Tournee durch die Schweiz)…
In Anbetracht der Nähe zu Musikern der Avantgarde-Truppe „Débile Menthol“ – dem Schweizer Exponat der Londoner ‚Rock in Oposition’_Szene mit Chris Cutler’s Indielabel RecRec – fiel das Mandat für die Schweiz auf die progressiven Wirrköpfe aus Neuenburg.
Ungarn wählte ihre populärste (Hardrock)Band: „Pandora’s Box“.
Der Start in Budapest wurde als Doppelprogramm ausgelegt, also starteten wir im Vorprogramm auf dem wunderbaren Schloss an der Donau über der Brücke mit dem berühmten türkischen Bad.
Das Publikum erwartete natürlich sehnsüchtig ihren geliebten Hardrock mit ‚Pandora’s Box‘ (als Hauptprogramm) und reagierte entsprechend auf unsere avantgardistische Darbietung: wir wurden radikal ausgebuht schon während des ersten Stückes und auf’s ‚rockigste‘ beworfen mit Bierbüchsen u.v.a.m., und verliessen mit eingezogenen Köpfen eiligst die Bühne… Die wilden Gesellen von „Pandoras Box“ mit ihren Ketten um die Lederjacken und Büroklammern in den Ohren weinten ganz erbärmlich, so taten wir ihnen leid! Der Kontrast war umwerfend! Wir genossen die weitere Tournee dieses Kontrastprogramms à la Blues Brothers…
Das Zeitalter der Sampler war just noch unbezahlbar, also zerteilten und montierten wir Tonbänder zu sog. Loops (Schleifen) für Jingles, bzw. (Radio)_Werbung… und und und…
Wir sammelten Instrumente und Klänge und/oder experimentierten mit jensten Objekten wie Küchen-Ustensilien, StrassenSignalisationen/Lockpfeiffen/Strassenröhren u.v.a.m.
ab 1985 kamen Experimente mit Samplern der ersten Stunde und Sounds dazu, ich programmierte Synthies, und das Brauchbarste landete schliesslich mit einem eklektischen Bouquet von Versuchen verschiedenster Manufaktur (und Stilen) in eine private Veröffentlichung mit der ersten Langspielplatte.
Musik als Abfallprodukt vorangegangener „Zünder“ (Experimente). Logos als Initiation von „allem“
Kulu Hatha Mamnua
womit (1986)
der Grundstein von Mensch Music inkl. gleichnamigem Label Mensch Records gelegt war.
Ein Sammelsurium aus purer Freude am Machen, Suchen, Finden und Aufnehmen von heterokliten Klängen verschiedenster Art.
Mit einer 2 Zoll 16-Spur Tascam BandMaschine und bescheidener Peripherie – alles analog – entstand im Folgejahr die zweite LP AGR 002
Manoeuvres d’Automne
Hier die kurzlebige Live_Formation MDA mit Dizzi, Mick Hobbs (R.I.P.), Laurent „Bu“ Bürki, mir und Pascal Cuche (R.I.P.):
Ich wollte eigentlich mit diesen beiden LP’s – zumindest was deren Umschläge, die Verpackung, das Cover anging – eine Art „Kontinuität“ erschaffen; ein graphisches Markenzeichen als Identität. So wie z.B. ein Roger Dean viele LP_Hüllen designte (z.B. „Octopus“ von Gentle Giant u.v.a.m.), welche „irgendwie progressiv“ signalisierten. D.h. die zwei Erstlinge des Mensch Record Labels waren Ausschnitte aus dem Fresco „Till“ von Freund Alex Rabus, welcher bereits 1976 das grosse Fresco anlässlich des „Gentle Giant“-Konzertes – im Temple du Bas zauberte.
Hier – neben dem GesamtFresko – mit (dem erwachsenen) Till Rabus (links) und rechts aussen Mensch Music LabelChef (…)… Die Idee war, alle zukünftigen Vinyl-Platten mit einem weiteren Ausschnitt dieses Gemälde zu veröffentlichen und nach x KatalogNummern hätte man dann das GesamtFresco, z.B. als „Bonus Poster“.
Die beiden LP’s und das zu Ende gehende Jahrzent markierten jedoch ein „markantes Einläuten“ einer neuen Ära:
Die Zeiten von Vinyl waren „absehbar“ (vergänglich), d.h. die CD verkratzte diesen Plan…
Nach dem Abenteuer von „Manoeuvres…“ arbeitete ich u.a. auch oft an/für Live-Events wie z.B. Bühnen-Monitoring für eine kleine Reggae Band aus Neuenburg. Ich lud sie ein, für Mensch Records eine Maxi-Single aufzunehmen, obwohl ich mit Reggae bis dahin nie die Klinge gekreuzt hatte. Also entschied ich – während der Arbeiten für die Aufnahme der o.e. Band – den nächsten Flug nach Jamaika zu buchen, und diese Sache an der Quelle zu erkunden.
Die Band wollte zu meinem Leidwesen keine Hülle aus dem gleichen Fresco wie die ersten beiden Alben. Sie wollten „etwas anderes“, „selber entscheiden“, „keine Kontinuität von Mensch Records darstellen“ o.ä.
Also besuchten wir Alex’s Atelier, der gerade an einem neuen Fresco arbeitete.
Der unfertige Stand des Bildes mochte (mit sehr zusammengekniffenen Augen…) an einen Dreadlock_Rasta erinnern.
Die Band wählte diesen Ausschnitt (…), während der Titel des Frescos zu dem Zeitpunkt noch nicht definiert war – Alex liess seine Besucher immer etwas zappeln und/oder raten, was „das denn darstellen sollte“):
….der Mann (der WeltenBummler, der Kontakte_Knüpfer, le Nomade) mit seinen Wurzeln im Kopf vs. die Frau (la sédantaire, die Sesshafte) mit ihrer unerschöpflichen Fantasie und Kreativität…
also nichts wie back to the roots (zur Klärung) und ab mit dem nächsten Flug nach Jamaika…
Die folgene Episode legte den Grundstein für viele weitere Begegnungen in seminalen Abstechern in’s jamaikanische Idiom. Es sollten über die Jahre mehrere spannende, lehrsame und progressive Aufenthalte in Jamaika werden, zwischen welchen ich u.a. von Neuenburg in die Ostschweiz wegzog und quasi „ein neues Leben begann“.
1987
(Link zur Jamaika Episode)
Genau so, wie Blues ist Reggae eine jamaikanische Spielart, welcher ich bis anhin nur am Rand der irren Fahrt meiner musikalischen Laufbahn begegnete, ausser einmal (1981?) – als Zuschauer – an einem OpenAir_Festival in Leysin (1981). Dort imponierte mir ein wagemutiges schmächtiges Männlein, das während einem heftigen Gewitter mit unheilsamem Blitzeinschlag eine beachtenswerte Spontan-Aktion durchzog: die ganze Verstärkeranlage lag kurzeitig lahm; nur eine Notstrom_Mini_Anlage konnte noch für ein Revox und ein Mikrofon zur Verfügung gestellt werden. Dieses Männlein gab nun ein paar seiner Gedichte mit Playback und 3 Tänzerinnen zum besten. Beeindruckend, wie da z.B. eine BassLinie auf einer einzigen Saite daherkam und das Hauptmotiv für ein hinreissendes „Black Petit Booshwah“ bildete. Ich verstand zwar kein Wort, aber ich war begeistert und wollte definitiv mehr wissen „was“ genau denn diesen Reggae ausmacht…
Und so checkte ich ein, landete in Montego Bay, mietete ein Auto und quartierte mich in Ocho Rios ein.
Eine wundersame Fügung mündete in eine jahrelange Verbindung: Bruce
vor seinem Million Stars hotel…
Bruce wurde mir auf allen jährlichen Aufenthalten in Jamaika zu einem treuen Freund und Begleiter. Bruce erbte zwar einen kleinen Fleck Land an der Küste bei Oraccabessa (ein kleiner Vorort von Ochie), war aber ansonsten arg mittellos, aber keineswegs der handelsübliche Rent-a-Dread für den handelsüblen Touristen (à la Eintritt für die zugegebenermassen beeindruckenden Stromschnellen der Dunn’s River Falls u.v.a.m.)…
So half ich denn Bruce immer wieder ein wenig bei der Beschaffung von Baumaterialien für sein o.e. Millionstar Hotel, während er es liebte, auf dem Rücksitz meines Autos „Taxi zu fahren“.
Bruce kannte die Insel und seine Menschen mit ihren Gepflogenheiten wie seine Hosentasche. So lernte ich seine Verwandschaft und Freunde im tiefsten Inneren des Landes kennen wie z.B. den Blue Mountains und/oder den berüchtigten Red Hills, wo wir sogar einmal überfallen wurden… eine ‚relativ normale‘ Begebenheit in Jamdown…
Nebst solchen Streifzügen (und -schüssen) abseits der touristischen Trampelpfade begegnete ich immer wieder neuen Musikern durch die Aufnahmen, welche in dortigen Studios vervollständigt werden sollten.
Im Dorfkern von Ocho Rios, gab’s den DorfImbiss für (herrliche/frische) Fisch-and-Bammie Grilliaden, das „People’s Restaurant“, geführt von einem der Gebrüder Ruby. Schon am zweiten Tag nach meiner Ankunft lernte ich den Produzenten W. „Jack Ruby“ Lindo kennen. Jack lud mich zu einer Probe der „Revealers“ ein…
Im Hinterland von Port Maria, dem Piratenhafen, (tief in-a-di-bush, in der Nähe der ex-Datscha von James Bond Schriftsteller Ian Fleming) wurde ich Zeuge einer akustischen (ital) Audienz des VocalTrios, das um die Gunst von Jack Ruby buhlte, von/mit ihm in Kingston’s Dynamics Studios eingeladen zu werden…
Dort begegnete ich Jackie Mittoo, einem alten Weggefährten von Jack Ruby.
Jackie war eine „Referenz“ in Jamaika als bahnbrechender Hammond_Spieler der kultigen Ska-Ära. Leider reduzierte Jackie’s Alkoholspiegel seine Spielkapazität dergestalt, dass die Session mehr und mehr auseinander zu fallen drohte. Auch der anwesende legendäre Perkussionist Leon „Skully“ Simms versuchte verzweifelt, den betrunkenen Mittoo zu überzeugen, seinen Platz zu räumen. Sly & Robbie harrten geduldig auf eine Lösung, also schlug ich vor, den – einfachen – two chord Skank einzuspielen. Jackie – froh, letztendlich „erlöst“ zu werden von dieser für ihn unüberwindbaren Situation – zeterte und fluchte zwar filmreif und machte einen „fulminanten Abgang“.
Erstaundlich, diese Parallelen zwischen dem mir vertrauten Blues und diesem – für mich – neuartigen Zwillingsbruder, dem Reggae…
Am nächsten Tag traf ich Jackie an „Crossroads“ (einem seminalen Treffpunkt im Zentrum Kingstons). Mittoo bedankte sich überschwenglich, dass ich ihn am Vorabend von dieser „miserabel organisierten/orchestrierten“ Session (…) aus der Patsche befreite…
An einem anderen Tag – gleich gegenüber Crossroads – sah ich bei einem alten Haus eine alte Frau mit offenbar schweren Kommissionentaschen mühsam die Aussentreppe zu ihrem Haus hochklettern. Ich half ihr mit der Schlepperei ihrer Kommissionentaschen und sie bot mir ein Glas Wasser an, fragte dies und das. Als ich ihr erzählte, ich sei Musiker aus der Schweiz, leuchteten ihre Augen und sie bemerkte, ihr Sohn sei auch Musiker und lebe in den legendenumworbenen Hügeln von Wareika Hills. Sie sähe ihn zwar nur noch selten, aber – ob ich ihn kennen lernen möchte… sie könnte ihm das ausrichten, dann sähe sie ihn doch wieder mal… Wir verabredeten einen Tag und als Rico dann beim zweiten oder dritten Anlauf erschien, brachte er das RealBook (von Jazz) mit, schlug willkürlich eine Seite auf und meinte, ich solle mal die erste Stimme singen, dann spiele er die zweite… (es war Duke Ellington’s „Satin Doll“)…
Die Begegnung mit Rico (unten rechts) wurde – gleich wie 20 Jahre zuvor mit Eddie Boyd – zu einem unschätzbar wertvollen Meilenstein.
Bei Aufnahmen in „Jam Down“ (Jamaica)’s „Music Works“-Studio an der Slipe Road 56 buchte ich Robbie Shakespeare für den Bass (auf „A na nottn“ und „Under my Skin“). Unter anderen „Herumlungernden“ bei dieser Gelegenheit, fragte mich Dean „Big D“ Frazer, ob ich ihn nicht auch für eine Sax-Solo buchen wolle, was in die wunderbaren Sopransax Einlagen mündete, während wir mit Rico und Felix „Deadly Headly“ Bennet (TenorSax) auf Schlagzeuger Leroy „Horsemouth“ Wallace warteten…
Die Würfel waren gefallen: ich wurde höhrig, verstand das Vermächtnis dieser wunderbaren Welt, und wie die Menschen hier mit diesem wundersamen Rythmus, dem Vehikel, dem Paradigma des Reggae als erfrischender karibischer Zwillingsbruder des Blues Respekt zollten.
Ich „entführte“ den begnadeten Posaunisten kurzerhand in die Schweiz mit einer Einladung, das Tüpfelchen auf dem i der o.e. bevorstehenden Maxi-Single zu setzen, besorgte Rico einen befreundeten (guten) Zahnarzt in Neuenburg und behauste ihn in Jenins, meiner neuen Bleibe nach dem Wegzug aus Neuenburg.
In dem dort neu aufgebauten „Studio“ (im Wohnzimmer) verdichteten zusätzliche ‚Overdubs‘ das kommende Projekt. Von Jenins aus verdiente Rico auch zukünftig immer wieder ein bisschen Sackgeld mit der Band, deren Platte sich mittlerweile sogar zu einem kleinen lokalen Schweizer_“Hit“ mauserte mit ca. 3000 verkauften Maxi-Singles.
Kurzum, irgendwann hatte er das Touren in der Schweiz (mit einer Amateurband) satt, oder – wie er sagte – „I’m tired of shoe-lacing…“ und kehrte wieder nach Jamaica zurück. Dieser „Abkehr vom Erfolg“ (in der Schweiz) verdanke ich – auf Umwegen – auch die glückliche Begegnung mit LKJ (oben Mitte)…
Rico trug vor seiner ersten Rückreise nach Jamdown noch massgebend dazu bei, lose Skizzen mit zahlreichen musikalischen Interventionen zu verdichten, stiess neue Ideen an, dozierte archaisches Wissen (…z.B. die Kumina Bibel), kurzum, wir genossen den Austausch von Musik und Zoten.
Wir werkelten beständig an zahlreichen Ideen und ich genoss den unermesslich wertvollen „Lehrgang“. Während Rico es sich einfach mal gut gehen liess, erzählte er mir viel von seinen ersten Europa_Erfahrungen (bereits in den 60-ern), wo ihm Georgie Fame erste Sessions als Session-Musiker zuhielt;
und natürlich von seiner Begegnung mit LKJ; was für ein anständiger und höflicher Kerl das doch war; wie der ihn auch richtig gut bezahlt hätte als Posaunist für Aufnahmen seiner eigenen Sachen, und es doch auf der Hand liege, LKJ zum Mitmachen zu animieren am mehr und mehr Gestalt annehmenden Projekt…
Also schickte ich Linton mit einem Ohrenzwinkern ein paar Rudimente (auf Kassette), worauf er mir telefonierte und meinte, doch, er könne sich durchaus vorstellen, etwas für so ein Projekt beizussteuern und mitzuwirken (und dabei vielleicht auch Rico wieder mal zu treffen). Zur Frage des schnöden Mammons, meinte er bloss, ich solle mir „etwas Vernünftiges“ ausdenken…
während der Würfel der Begegnungen weiterrollte und zahlreiche Besucher wie u.a. Lars Hollmer mit seiner Band das Haus belebten.
1988
kontaktierte mich das SchweizerFernsehen für eine vorgesehene „Legalize Marihuana“_Sendung (eine ewig wiederkehrende Debatte in der Schweiz). Der kleine CH-Hit wäre doch passend für einen Live-Auftritt mit Rico als Gallionsfigur. Nur war dieser bereits wieder zurück in Jamaika, also wär’s nur die Hälfte der Banane. So schlug ich der Band vor, ob sie nicht auch für Linton Kwesi Johnson als Backingband fungieren wollten!…
Linton meinte dazu, warum nicht, wenn sie Blues könnten, müssten sie ja auch Reggae können (…!…). Die Band wollte Play-Back Demos zum Üben, Lead-Sheets etc… Also fragte ich Linton, ob er nicht doch gleich mit seiner hauseigenen Band (der Dennis Bovell Dub Band) kommen würde.
Dem Schweizer Fernsehen meldete ich den Preis für LKJ & the Dennis Bovell Dub Band, schlug zwei Tausender drauf und vereinbarte, dass dann noch Flug, Kost und Logie + Übernachtung zusätzlich drin liegen müssten.
Das Fernsehen war begeistert, den ‚in die Versenkung zurück gezogenen Künstler wieder in’s Rampenlicht zu bringen‘ (…), und wollte die Truppe gleich mit Fernsehtross am Flughafen abholen etc.
n.B.: meine einzige Vereinbarung als Vermittler war, Linton vor dem Auftritt den Umschlag mit der vereinbarten Gage (+ meine 2 Mill) persönlich zu überreichen. Am Tag der Ankunft also grosses Tam-Tam am Flughafen. Man fuhr direkt in’s Fernsehstudio, wo ich im Hintergrund herumlümmelte als kleines Helferlein in den Logen. So wurde ich Zeuge eines Gesprächs zwischen Dennis Bovell und Linton, wie sie sich Sorgen machten, dass sie noch kein Geld gesehen hätten…
Also ging ich zum Chef im Tipi, meldete den Wunsch der Truppe, nunmehr ihre Gage zu erhalten, liess mir die von Linton genannte Summe (+ die zwei Mill) in einem Umschlag geben, setzte mich wieder stumm zu Linton und Dennis in die Garderobe…
Niemand hatte mich mit ihnen bis jetzt bekannt gemacht und Linton kannte mich nur vom Telefon…
Sie bemurmelten immer noch ihren Argwohn, noch keinen Zaster gesehen zu haben, also schob ich wortlos den Umschlag mit ihrer Gage (+ meinen 2 Mill) über den Tisch. Linton zählte’s nach, hob den Kopf, sah mich an und meinte: so you’re Victa then?
Dieser Sternstunden verdanke ich Linton’s (und Dennis‘) 3-tägigen Besuch in Jenins …
Wir fuhren andertags nach Jenins, wo Linton mich und Dennis in die Küche schickte… ‚mek som food na’…
Wir brutzelten etwas, während Linton ein zauberhaftes Gedicht über die Peeni Waalis zu Papier brachte.
(photos des Manuskripts)
Anderntags sprach Linton das Gedicht auf den „Schnürsenkel“ (1/4 Zoll Tonband): „Beacon of Hope“ (Leuchtturm der Hoffnung)…
Wir hörten uns die bereits dafür vorgesehene Prämissen an, das Instrumental „Playback“ an, und das gesprochene Gedicht wurde „eingeflogen“: Mit messerscharfen Stop and Go verteilten wir das Gedicht auf den „Teig“ (den instrumentalen Track). Dennis meinte, er würde gerne den Bass drauf spielen, also fuhren wir kurzenhand nach Bad Ragaz, kauften einen Fender JazzBass (Squire), und flugs war auch diese Perle im Kasten zur weiteren Feinarbeit / Orchestrierung.
Ich schwärmte von Oracabessa (einem Vorort von Ochie), meinem jamaikanischen Anker, von der Entdeckung beim kleinen Fischerhafen dieses ausserordentlichen Phänomens tausender Leuchtkäfer, den Peeni Waalis, wie die Jamaikaner diese ‚Fire Flies‘ nennen. Eine leuchtende, schwirrende Kugel (um einen Busch) mit tausender harmlosen Insekten auf der Balz! Auf Fragen, was den Einheimischen diese Käfer bedeuten, erzählten sie fasziniernde Geschichten, Mythen, Sagen… die Leuchtkäfer seinen durchwegs friedliebende, Positive Geschöpfe (innocent bugs inna wicked world, unschuldige Käfer in einer verrückten Welt…!…).
Das Schlagwort für ein Konzept unterschiedlicher Kulturen war aus der Taufe gehoben und Peeni Waali sollte es heissen. Kurt Benz bannte das Thema auf Bild mit Blick auf die Insel…
für die geplante Veröffentlichung…
Linton fragte danach, ob er wieder mal kommen dürfe, um seine neusten Gedichte auf Band zu sprechen als Vorbereitung für sein eigenes nächstes Projekt (‚Tings an Times‘)…
1989
Eines Tages – zum Geburtstag von Rico – kam Freund Jerôme van Jones (aus Jazzland Tagen)…
…zu Besuch nach Jenins und so entstanden „Reggae (Satin) Doll“ und „Blue Moon“ in einer lockeren Jam mit Rico…
Dann kam Linton schliesslich nach Jenins für seine Basslinien: -„ungehobelt und unbrauchbar“, bzw. eben nur als Demo gedacht, aber bestechend rootsig und originell, sprach er darauf dann seine Gedichte auf’s Band, während ich den Skank und den Bubble mit etwas Piano_Skank und Hammond_Bubble betupfte, bevor er – wieder zurück in London – Demos mit Bovell und der Dub Band zur fantastischen „Ting an Times“ Platte fertig stellte.
Linton schlug vor, seine CD (in Lizenz) auf meinem Mensch Music Label zu veröffentlichen, und Peeni Waali solle auf seinem LKJ Records erscheinen!
Ein grossartiges „Treffen der Giganten“…
während Linton’s „Bass-Aufenthalt“ ereignete sich, als Mirelle eines Tages hereinplatzte und fragte, ob ihr Mann – Gross-Hofnarr Lee „Scratch“ Perry – „auch einmal ein paar Tage“ hier in Jenins ein paar Ideen aufzeichnen könne. Es wurden 2 Wochen Perry im Haus. Der Volg im Dorf rief sogar den Blick auf den Plan… :
…es entstanden z.T. wirre Atari-Orgien und viel akustischer Phantom_Leerlauf, aber immerhin: bevor ihn Mirelle wieder abholte, verdankte mir Scratch die Gastfreundschaft eine ‚menschliche Vorlagen‘ zu „bestimmen“ (to voice a track), wählte dazu eine Aufnahmen aus „Manoeuvres d’Automne“_Outtakes, und „Licht & Stein“ war geboren…
n.B.: Wir fuhren oft von Jenins über Maienfeld über Lutzisteig durch die militarisierte Grenze, wo bei einer Durchfahrt eine Wache im Torbogen stand und uns freundlich durchwinkte. Perry fand das zum Brüllen, stieg in seinem FirlefanzAufzug aus, lief dem Mann entgegen und rief: „dis man ya salutes di King a Switzarlan’…
„Peeni Waali“ – das Projekt für ein ‚richtiges Album‘ begann zunehmend, konkretere Formen anzunehmen… (mir schwärmte ein 6-seitiges Gatefold Cover mit Noppen vor…)
So z.B. auch mit der Aufnahme eines Muezzins, den ich 1981 (für ein – letztendlich abgebrochenes – Filmprojekt) in Saudiarabien, Jedda, aufnahm und seinen Einzug auf („Scarab“) halten sollte. Genauso wie Fragmente eines ebenfalls abgebrochenes Filmprojektes („Paper Mensch“) integraler Bestandteil werden sollte.
Gleichzeitig wurde ich dann so etwas wie Lintons Agent für viele Konzerte in der Schweiz, womit ich dann natürlich auch die fantastischen Mitspieler kennenlernte.
Diese Freundschaften halten bis heute und Linton – wie auch Steve Gregory und John Kpiaye – sind stets gern gesehene Gäste, wir wandern, und/oder fahren – mit Steve – sogar Ski und be-solo-en neue Stücke.
Namhaft Steve Gregory und John Kpiaye, Saxophonist/Flötist und Gitarist. Sowohl Steve als auch John waren ab dann auch immer wieder superbe Mitspieler auf den folgenden Mensch Musik Projekten
Der Dezeniewechsel entpuppte sich als ernsthafter Paradigmenwechsel.
Der liechtensteinische Arbeitgeber kürzte meinen Monatslohn auf gröbste Art zu einer Existenzunmöglichkeit, Pläne zu verwirklichen nebst die Liegenschaft in Jenins auf Dauer zu halten. Sehr ungehalten darüber entschloss ich mich zum „Rückzug“ (nach Basel)…
…in der Not frisst der Teufel Fliegen.
An konkretes Musikmachen in Basel konnte vorerst nicht gedacht werden, mit Ausnahme kleiner Arbeiten und/oder Programmiergeschichten.
Also Ausschau nach anderen Perspektiven.
Auswandern nach Südfrankreich?
1991 waren geschäftige Zeiten mit Veröffentlichungen und Lizenzen von ‚Peeni Waali‘ in den USA, Frankreich und Deutschland.
Alle drei Lizenzen einzigartige, grandiose, betrügerische Flops: ein Randall Grass (nomen est omen!) vom „Shanachie“_Label, ein verkokster Jean Cotton von Blue Moon in Frankreich, und die Bankrotter von EFA aus Deutschland, nebst einem fallaziösen Schlamassel seitens der Suisa.
Was blieb anstelle von selbstzerstörerischen Prozessen und Sesselfurzereien war ein dezidierter Fokus auf Tapetenwechsel zur Weiterführung all der guten Beziehungen aus vorangegangenen Projekten:
einer zweiten Runde, einem „Return of Peeni Waali“ (in Anlehnung an Scratch’s „Return of the Superape“) sollte nichts im Weg stehen…, aber wie, bzw. wo?…
1992
…auf Pirsch mit grossartigen Wanderungen, u.a. um Bergamo und im Piemont, von da aus mit einem Abstecher über Genua nach Tunesien, besuchte ich Freund Toni aus Neuenburg, welcher dort auf einem seiner 4-Jahres Mandate als Diplomat in Tunis ‚auf Posten‘ war.
Es war ein Moment grosser Unsicherheit…
…leben zwischen Stuhl und Bank…
…wie soll es weitergehen?…
…in Basel zu bleiben wurde zum Ding der Unmöglichkeit…
…auswandern nach SüdFrankreich?…
…gescheitert…
…alles Schimären?…
Toni suggerierte eine Existenz als Hausmann: er kenne schliesslich 26 nubile Frauen auf 26 verschiedenen Posten in aller Welt, welche zwar einen Mann zur Seite haben können, aber keinen „Werktätigen“, keinen „Vollberuflichen“… allenfalls einen Pfaffen oder einen Künstler o.ä.
Ich fand das anfangs verstörend und provokativ… eine Annonce als „dreisprachige, gut erhaltene Occasion sucht willige Ernährerin“ o.ä.?
…professioneller Gigolo?
Das konnte es nicht sein!
Oder doch?…
Unterbrochen wurden die Grübeleien durch einen Hochzeitstermin (eines Jugendfreundes): am 27. August (vielleicht war’s auch der 26te) fuhr ich zurück in die Schweiz als Boogie Woogie spielender ‚best man‘ des Ehemanns. So lernte ich denn auch die ‚best woo man’_Schwester der Ehefrau kennen. Chris und Annette luden mich ein, sie im Toggenburg doch mal zu besuchen, dort zu wandern und u.U. auch temporär bei ihnen zu wohnen…
…während mir in Liechtenstein eine Stelle als Bürogummi angeboten wurde. Ein biederer 5 – 8 Job.
Existenz vorläufig gesichert… aber wenig Spielraum…
Ich wohnte – vorübergehend – im Toggenburg, wo ich meine zukünftige Lebenspartnerin kennenlernte. Assi ist und war von der einzigartigen Ur-Sorte Soppie oder Hizzie (Mischung aus Sozzie und Hippie) mit Wurzeln bis zur Mitte der Erde und Blüten bis in den Himmel, mitten durch mein Herz.
Ich sollte ihr lebenslanges (glückliches) Sozialprojekt werden…
Bis dahin führte der Weg allerdings zuerst über Gastwohnen im Toggenburg und…
1993
…bei Freund Heinz Vetsch; hausen in Buchs, aber am 24. Dezember (diesmal mit Sack und Pack und Stu und dio) richtete ich das Studio endlich in Weite (im Rheintal) für die nächsten 10 Jahre ein. Bescheidener zwar als Jenins, aber durchaus „machbar“.
Es folgten viele, kleinere Auftragsarbeiten (z.B. Werbe-Jingles), Dienstleistungen sozusagen, und gegen Ende des Jahres flog ich nochmals nach Jamaica über’s neue Jahr…
Was für ein waghalsiger Aufenthalt es werden sollte: ich erlebte diesmal die düstereren Seiten von JamDown, wurde u.a. ausgeraubt und infolgedessen „mittellos“ („zahlungsunfähig“), bzw. wurde „zu einem von ihnen“, ohne Geld, im Überlebensmodus und damit auf Entdeckung Jamaicas… diesmal „auf Augenhöhe“…
Was für eine Warmherzigkeit mir diesmal entgegenschlug! Man wusste, der Schweizer wurde ausgeraubt. (= er ist jetz quasi „einer von uns“). Worauf mir das „People’s restaurant“ in Ochie immer wiedr mal einen Fish & Bammie spendierte und der Ananas-Verkäufer mir Ende des Tages die noch guten, aber demnächst unverkäuflichen Ananas zuhielten… quasi mein Standard-Futternapf… sie nannten mich mittlerweile „Pineapple Man“…
Und doch funktionierten die letzten Aufnahmen dank gentlemen Chinna Smith
und Pablo Black. Leroy „Horsemouth“ Wallace liess seine Verbindungen spielen, um trotzdem Studios zu finden, die mich als „kreditwürdig“ einstuften. Und so – mit neuen Aufnahmen im Gepäck – erreichte ich das zuhause unversehrt und beladen mit noch mehr Freude an den tollen „Aufnahmen im Kasten“.
1994
hätte ich Astrid geheiratet, wenn sie denn zugesagt hätte… also wollten wir „lebenslänglich verlobt“ bleiben, und Astrid schlug eine Reise vor in ein Land, wo mich „Musik nicht interessierte“:
3 Wochen Malaisien im Mai. Zu schön für’s Internet, weil Musik temporär vollkommen irrelevant war, ergo…
Wieder zurück, lud ich Dennis Bovell (im July) ein für Bass-Aufnahmen zum nächsten Album. Während seinem Aufenthalt mit Lynn und Sohn Jordan
werkelten wir an mehreren Prämissen gleichzeitig. Eines Tages offerierte/suggerierte er, Alton Ellis‘ „I’m Still in Love“ neu umzusetzen… In dem Moment, als wir mit Dennis an „Blues für Eddie Boyd“ eine Instrumental-Vorlage aufgleisten, Jugendfreund Balz Burckhardt rief an und teilte mit, Eddie Boyd sei soeben (am 13. Juli) in Helsinki sanft eingeschlafen. Ich hoffte, Eddie noch für einen bluesigen Beitrag zugewinnen, obwohl er meinte, er singe nur noch Gospel… Ich wollte die Aufnahme mit Dennis abbrechen und das Stück shelven/schreddern o.ä., weil ich niemanden andern ‚geeignet sah‘, ausser – was weiss ich – spontan vielleicht Taj Mahal…
aber den kannte ich nicht persönlich. Da meinte Bovell: „aber ich! Ich hab da seine TelefonNummer… probier mal“… Ich rief die Nummer an – es musste irgendwo in der Karibik gewesen sein, dann meinte Taj, „warum nicht“, wenn er wieder mal in der Gegend sei, solle ich ihn kontaktieren… er gastierte oft in der Ostschweiz, weil er in Dornbirn seine Haflinger reiten komme… dann könne er auf einen Sprung „rüber“ kommen und am Abenteuer teilnehmen (Taj sagte, er hätte die erste Peeni Waali LP von seinem Sohn gekannt!)…
Shirley A. Hofmann
veredelte die phonetische Palette mit ihren wuderbaren Euphonium- und TubaEinlagen nebst dem phantastische Bläsertum von Steve Gregory…
1995
ergänzte ein neues Mandat die musikalische Palette: Urs-Albert Wethli’s „Face Musik“!
es sollte eine intensive und interessante Zusammenarbeit werden mit den verschiedensten Ensembles „aus aller Welt“:
es folgten noch ein paar Aufnahmen, die momentan „unter den Radar gefallen sind“… Aufklärung folgt…
Am 3. Ferbruar – als Geburtstagsüberraschung für meinen Vater – feierten wir unsere Hochzeit …
… während unser Sohn Linus-Linton-Maurice am 25. Juli zur Welt kam…
Die Geburt war ebenfalls ein klingendes Erlebnis der Sonderklasse: zwischen dem fast ausschliesslich weiblichen Personal rund um den Gebärsaal, kam man als Mann eher so ein bisschen wie ein Hund in ein Kegelspiel… Vermutlich war’s dem Umstand geschuldet, dass der Vater nicht – wie die meisten Väter sonst – mit einer Kamera anrückte, sondern mit einem MikrofonStänder (und aufgesetztem Neumann U 87)…
1996
wurde die Wiederveröffentlichung der beiden ersten LP’s „Kulu Hatha Mamnua“ 1986 und „Manoeuvres d’Automne“ 1987 auf einer CD für den 10. Mai vorbereitet mit einer Hülle aus Hanf, gezeichnet von Walter Nigg, Azmoos.
Und immer wieder ergaben sich weitere, unerwartete Begegnungen: eines Tages kam Nachbarin Maya vorbei, die ein ca. gleichaltriges Kind hatte, bzw. mit welcher so etwas wie eine „Babysitter“_Gemeinschaft entstand (sie hütete manchmal unseren Linus und ich hütete manchmal ihre Rosanna…). Maya meinte, ich müsse unbedingt ihren Mann – Hubert Osterwalder – kennenlernen. So kam Hubert mal schnuppern. Es lag grad ein kleines Projekt für die Dorfschule vor, eine ideale Prämisse für einen Rythmus (Skank)_Part gemäss einem vorgegebenen harmonischen Rahmen, welchen er ab Blatt im ersten Durchgang astrein und tight „erledigte“. Beeindruckend, wie Hubert vorab minutiös seinen Verstärker konfigurierte, stimmte und dann, ohne weitere Fisimatenten „aus der Hüfte“ voll in’s Schwarze traf, punktgenau, stilecht und toll klingend. Das ging so schnell, dass ich nur noch offerieren konnte, ob er auch ein Solo darauf sähe. Wir einigten uns, wo (Takt x bis Takt y) und die Sache war erneut beim ersten Durchgang drin.
Noch heute spiele ich immer wieder und gerne mit diesem hervorragenden Musiker, Nachbar und angenehmen Zeitgenossen in den verschiedensten Projekte, sozusagen ein „Hausmusiker“, ein Stammgast…
Auf einem „Seiten-Projekt“ begegnete ich dem Trio „Art de Passage“ (vormals wertvollste Begleitmusiker von Reinhard Mey), hier eine Inkarnation (nach dem Tod von Rainer Rohloff, R.I.P.) von links nach rechts: Tobias Morgenstern, Daniel Spahni, Sylvain Gagnon, Helmut Lipsky und Stefan Kling
oder hier mit Alt-Kempe Gilles R.
was in eine langjährige Freundschaft – und musikalische Einlagen – von und mit Tobias Morgenstern zur Folge haben sollte,
eine fortwährende Verbindung, welche bis auf den heutigen Tag anhält. Als Entgelt für die tollen Beiträge des Trios, wurde hier das Album Morgenstern aus der Taufe gehoben.
Sehr angenehm und äusserst fruchtbar zeigte sich der Hergang zu diesem Morgenstern, wie Spitz auf Knopf so eine Begegnung eben Früchte tragen:
Tobias fand gefallen am „Durchzug“ all der Leute, die hier vorbeikamen für Sessions und nutzte diese Gelegenheiten, kontinuierlich an seinen Stücken zu arbeiten. Immer wieder einen momentanen Gast für eine Einlage zu ‚mobilisieren‘, sei es Spahni am Schlagzeug, Ur-alt-Komilitone Gilles am Balafon u.v.a.m…. 12 Titel einmal aufgenommen, hatte ich die selten angenehme Musse, in aller Ruhe den Mix tagsüber vorzubereiten, während Tobias (in Juff) SkiFahren ging und Abends „nach Hause“ kam, sich die MixVorlage anhörte, da und dort eingriff, etwas änderte, seine Vorstellung noch konkreter umsetzte… und das Tag um Tag, bis die SkiWoche beendet war. Richtig fruchtbare, gefreute Arbeit!
Wie immer in kleinen Sessions entstanden weitere Gasteinlagen, z.B. von Geiger Helmut Lipsky aus Montreal auf „Elemental“ oder dem Bassisten (Sylvain Gagnon), der seine Saiten kocht vor dem Spielen…
Während der Aufnahmen für ein Album von/mit „Bolot & Nohon“ aus Altai (6 CD’s für Face Music),
erbat ich von den beiden netten Leuten einen Kehlkopf-Obolus (…) für einen Trance_lastigen (vermeintlich monotonen) Dub, ein kurioses „Strekosa’s Chant“ (Strekosa = Leuchtkäfer auf Altai).
Der monocordale, schwere Dub-Groove war eine erfrischende Abwechslung zu den anderen, oft komplizierteren Strukturen vieler Stücke.
So denn auch die Idee, die modale Welt der eigenen Heimat einzubinden: Alphorn und Hackbrett!
Fussnote: Mit einem Hackbrettspieler aus dem „Zigrschlitz“ (GL) – Gontas Kluran – führte die Begeisterung beiderseits für Gentle Giant zum Einverständnis, für ein paar Zäuerli (gewirbelte Saitenschwurbel der Extraklasse) dessen eigenes Projekt („Tunsch„) zu mixen und veröffentlichen.
Hier mit Santur_Maestro Alan Kushan, welchen ich allerdings erst 10 Jahre später (nach „Sha„, 2006) kennen lernen sollte.
…ein Haufen Arbeit und die Konsequenzen folgten auf dem Fuss:
am 3. August ereilte mich ein unheimlicher Schwindel, welcher mich bis in den Frühling des nächsten Jahres flach liegen lassen sollte.
Gemüsezustand während gut 2 Monaten mit Nystagmus und entsprechender Dauerübelkeit, Dauerhorizontale und Spital midallem…
Tobias kam aus Berlin um mir Beine zu machen und Linton telefonierte mindestens einmal pro Woche, um meinen Lieben die Stange zu halten.
1997
Kaum wieder bei der Arbeit (im Büro und immer noch nicht vollständig „bei Sinnen“), kündigte mir der gleiche Arbeitgeber wie 10 Jahre zuvor…
n.b.: dieser Arbeitgeber betreibt heute eine „Mediation & Konfliktmanagement“_Plattform/Stube… !! …
Offensichtlich wird Friede geschossen (in den Schützengräben der Verzeihung, und die Schützengräben werden gleich wieder zugeschüttet mit viel Neid und Gier…)…
Wir machten uns grosse Sorgen, wie’s weitergehen solle.
Also entschied Astrid zu ihrem Leidwesen, auf den rechtmässig verdienten Kinderurlaub zu verzichten und 80 % zu arbeiten. Ich fand auch keine mögliche Arbeit… nicht einmal zum Post austragen war ich persona grata… (wegen „Überqualifikation“ – so wurden die Absagen meist gelabelt)…
Also wurde ich zum Hausmann und diese Konstellation behielten wir auch bei bis zu Assi’s Pensionierung (30 Jahre später)…
Ich hätte gerne ein paar rassige Hammond-Solo-Einlagen auf einem oder zwei Titel gehört und/oder Comping auf „Under my Skin“, wofür mit Steve Gregory seinen alten Freund Georgie Fame empfahl. Georgie, u.a. bekannt durch/mit „Bonnie & Clyde“, war auch „Mann der ersten Stunde“ von Rico’s Europa Start 1962 und ersetzte Steve als musikalischen Direktor von Van Morrison’s Band.
Für andere Stücke in Vorbereitung kontaktierte ich Barbara Dennerlein, welche allerdings nicht vor 2 Jahren (wegen vertraglicher Gebundenheit mit Plattenfirma Verve) zur Verfügung stand…
Beim Mix für die Sudanesisch/Egyptische Band „Sharkiat“, beherbergten wir über die Session (für Face Music) hinaus den berührend sympathischen Quanunspieler Hossam Shaker (R.I.P.), zu hören auf der abgefahrenen Improvisation „Elemental“.
Im Herbst starb mein Vater (R.I.P.) und ich wurde also Halbwaise… Ich bedauerte all die unausgesprochenen Worte, die – mangels Zeit und wegen unseren vermeintlich diametral entgegengesetzten Lebensmodi vivendi – nie aus- bzw. angesprochen werden konnten.
Ich war allerdings sehr glücklich, dass ich doch noch die Gelegenheit hatte, meinen Vater als Erwachsener zu erleben, und wie gut wir uns verstanden, wie er mir sogar sagte, er fände mich „am besten gelungen“… Und trotzdem – und keinesfalls wegen Obstruktion väterlicher Was-weiss-ich – markierte sein Ableben den Start zu einem kräftezehrenden „Rosenkrieg“ (bis 2010, wo sich der ganze Knoten endlich entwirrte, und jeder seiner wirklichen Wege gehen konnte…
Und doch erlebten beide Eltern noch Rico, der uns in Basel besuchen kam…
Lee Perry kam, sang und siegte erneut, als Mirelle (seine Frau) mich bat, 6 Stücke für ihn zu produzieren, wofür er mir einen weiteren Track „bestimmen“ würde…
Für Spontaneität muss man gut vorbereitet sein:
als altes Eichhörnchen behielt ich oft „interessante Schnipsel“ aller Couleur auf. So geschehen mit einem Telefon-Interview (in Jenins) zwischen einem Berliner Journalisten und Scratch. An einer Stelle fragte der Journalist: „…you have a nice time in Swiss?…“ Das wurde zum „Erkennungs-Hook“ von „Nice Time in Swiss“, bzw. Scratch machte sich daraus natürlich eine Freude mit skurrilen Antworten…
Im Herbst kam die gesamte Besetzung von ‚Linton Kwesi Johnson & the Dennis Bovell Dub Band‘ nach Weite für Aufnahme, Mix und Mastering zu Linton’s nächster CD „More Time“. Ein Erlebnis der Extra-Klasse! Viel Spass mit der Meute und unserem Lintus… (Patenkind von Linton).
Linton’s regulärer Drummer (Paul Blake) konnte nicht gleich zu Beginn kommen, also empfahl ich Daniel Spahni, welchen ich in vielen Jahren als zuverlässlig kennen und schätzen gelernt hatte.
Spahni wurde nach den erfolgreichen Sessions für „More Time“ immer wieder für live Einsätze hinzugezogen. Ich realisierte einmal mehr, wie vorteilhaft es ist, dem Tourenstress nicht beständig ausgesetzt sein zu müssen, bzw. als ‚Hausmann’s Ingeniör‘ durchaus auch mit „Kindern im Spiel“ kreativ / aktiv zu bleiben…
oben: Linton und Dennis mit Linus und Gaudi
unten: John Kpiaye in der Küche mit dem guten Kind…
…und am 4. September erschien „The Return of Peeni Waali“ in Anlehnung an Lee Perry’s „Return of the Super Ape“.
Linton befand, das wäre eine zu grosse ‚Anlehnung‘, er wäre für „Peeni Waali Returns“. und heraus kam’s dann in England als „The Peeni Waali Phenomenon“ 1999 auf LKJ Records:
…mit anderen Stücken, also adieu mit den dezidierten Crossfades der Urversion, und bei der Pressung kam dann gar noch ein (falscher) Mix mit fehlendem Solo drauf… Plus:
bei einer bereits fix-fertigen Skizze (zwischen Steve und mir), wollte Linton unbedingt Bass spielen, stolz, Dennis für einmal ersetzen zu können… n.B. in Jamaika ist es eine Gepflogenheit, den Bassisten als ‚Urheber‘ zu kredenzen, weil die Basslinie oft das „Signet“, die eigentliche „Komposition“ eines Stückes sei… Tradition macht „Deins ist meins“ o.ä…
…alles wurde schliesslich „zu kompliziert“ (…), und die ganze CD wurde gänzlich aus dem LKJ Record Label Katalog gestrichen…
Es besteht bis heute (auf LKJ’s Webseite) keinerlei Hinweis mehr zum „Schweizer Bezug“…
… aber was soll’s?…
…Subjekt geschlossen…
…zu gross war die Freude am Sohnemann und die kleine Familie stand ganz gut im Leben, also befanden wir, es wäre an der Zeit und angebracht, ein zweites Kind zu riskieren…
1999
Am 8.8. kam Sohn Andri-Dennis-Rico zur Welt.
Nebst dem freudigen Ereignis kontaktierte ich einen (für mich) „Alt-Helden“ der „schrägen Musik“ – Albert Marcoeur, ob er nicht Lust hätte, in die Schweiz zu kommen für ein hirnrissiges „Seitenprojekt“: ich wollte ein paar Mani Matter Lieder „mal anders“ aufnehmen in den 4, bzw. 3 „übrigen“ Landessprachen. Als „Einsteiger/Muster“ wählte ich einen liegen gebliebenen Backing Track aus 8-Spur Tagen der ’70er. Marcoeur war der perfekte französische Part für „Dene, wo’s guet geit“, Linard Bardill besetzte den romanischen Teil, Marco Zappa den tessinisch/italienischen und ich den Baseldeutschen…)… Die Damen Matter & Estate befanden ellerdings, man wolle doch lieber den Etablierten Barden den Rücken frei halten für so einen Zyklus. (10 Jahre später schmissen sich ein paar Helveten in’s Zeug, und s’kamen ein paar andere Matter_Covers zutage…
Auf jeden Fall kam Marcoeur und wir nahmen die Hürde mit Brumor und Havour…
Als Austausch für die Session half ich – zusammen mit Nachbar Hubert – den Marcoeurs Studio in Montbard (bei Dijon) Computer-tauglich zu konfigurieren. Albert fragte dann, ob wir nicht Lust hätten, zusammen eine Band aufzustellen für Marcoeurs Repertoire! Hubert stieg allerdings im letzten Moment aus (weil die Schräglage der marcoeurschen Klangwelt nicht so seine Tasse Tee war…), während ich ein paar Jahre lang inkl. einer gemeinsamen Platte „L’“ bis zum bitteren Ende dieser Konfiguration „mitmachte“. Es sollte 2005 ein eher trauriges Ende nehmen…
Dann noch ein kurzer Abstecher nach London, um mit Eddie „TanTan“ Thornton (R.I.P.), Linton’s Geiger Johnny T., Steve Gregory und John Kpiaye ein paar „Restbestände“ für den Abschluss des 12-Jahres-Zyklus zu komplettieren für den dritten und letzten Flügel dieser „Peeni Waali“-Trilogie: Eine DoppelCD mit unveröffentlichten Stücken…
und danach etwas Neues zu starten…
Die erste CD zum 31.12.1999 – 24 h 00,
die zweite CD zum 1.1.2000 – 0 h 00
das neue Jahrtausend begann zwar nicht mit einem Knall, aber immerhin mit viel Erkenntnis unserer Bedeutungs_“Tiefheit“. Ganz und gar nicht das Gegenteil von derselbigen „Hoheit“.
Das ‚weniger ist mehr‘ wucherte über die Langeweile des Ruhestand…
Ein guter Startpunkt auch für die Veröffentlichung von „Eve of Peeni Waali“, während ich die Truppe von/mit Hubert, Julio und René aus Jux und Tollerei ergänzte: „Gumbo“.
Üben, spielen, Zeit für Familie, weniger Aufregung, Zeit für die einfacheren Dinge, für rythm’n’blues, ‚für luschtig‘ (aus reinem Vergnügen)…
Ende letztes Jahrhundert fädelte sich offensichtlich eine „neue Rezeptur“ ein im Sinne instrumentaler „Erweiterung“: der Hackbrettspieler, dessen Eigenprojekt („Tunsch“) ich im Austausch für Sessions (ca. 1996/97 +) mixte, brachte immer wieder Rohaufnahmen von seinen „Freizeit-Improvisationen“ mit dem iranischen Santur-Virtuosen Alan Kushan, von welchen ich z.B. ein Riff oder ein Ostinato „abzweigte“ als Prämisse orchestriert/arrangiert für ein nächstes/zukünftiges Projekt…
Persönlich kennen und schätzen lernte ich den begnadeten Iraner erst Jahre später.
Aber im hier und jetzt entstanden immer wieder Pläne, weitere Aufnahmen, weitere Begegnungen, neue Projekte, wovon das nächste die Idee war, den Peeni Waali Pfad zu ergänzen mit ’neuen Wegen‘, neuen Orchestrations-Kombinationen (z.B. Santur vs. Hackbrett und/oder Balafon vs. Kyrie Chor u.v.a.m.)….
2002 feierte ich noch meinen 50sten (im Schiessstand Sargans).
…daneben stets Kleinaufträgen nebst welchen das Studio von Grund auf ADAT (24 Spur Digitalsystem), vormals alles noch voll_analog mit Bandmaschine und Atari-Mischpult-Automation, zu zeitgemässerem Harddiskrecording aufgerüstet wurde.
Dazwischen viel Vorarbeit in Monbart (bei Dijon) für eine CD („L’“) von/für/mit Albert Marcoeur mit entsprechend regelmässigen Gigs… und Punkt Weihnachten, am 24.12. erhielten wir die Kündigung unserer Wohnung: raus bis am 31.3.
2003
Ein schreckliches Chaos entstand durch die unabwendbar, kurze Kündigungsfrist.
Panisches Packen, desillusioniert und verzweifelt in knapp 3 Wochen Frist alles demontiert und – temporär – landeten und „installierten“ wir uns am 1. April auf dem Camping Platz in Bad Ragaz…
Allerdings fanden wir „privaten Unterschlupf“ noch bevor wir eine einzige Nacht dort auf dem Campingplatz hätten übernachten müssen. Bei Freunden mal hier, mal dort „campiren“ eben, von Chur bis in’s Turgau… so fristeten wir eher unsichere, temporäre Aufenthalte bei sicheren Freunden…
Die Primarlehrerin von Linus steckte uns 4 Wochen später einen Tip: eine kleine Wohnung gleich gegenüber der Schule, drei Häuser weiter von der alten Wohnung entfernt wurde uns freundlicherweise von den Besitzern überlassen!… (An Musikmachen war nicht mal zu denken! Mischpult an die Wand, allenfalls etwas aus der Dose…)…
Allenfalls wieder ein bisschen Werbung und/oder ‚Telefon-Horoskope auf Bestellung‘, und 5 oder 6 CD’s für eine Sprachschule in Liechtenstein (‚Neues Lernen‘)…
(n.b. Es gibt da eine Fernsehreportage über dieses „Missgeschick“, die ich irgendwann vielleicht noch ausgrabe für all meine ‚wohlgesinnten Feinde‘ o.ä…)
Die nächsten Monate waren Höhepunkte meiner Tiefstpunkte.
Auf jeden Fall hat Astrid die seltene, glückliche Gabe, in solchen Momenten genau das Richtige zu tun. Sie legte mir eines Tages, bevor sie zur Arbeit ging, ein kleines Gedicht auf den Tisch… immer halb dämmrig, dumpf im Rumpf, ‚bastelte‘ ich eine Musik dazu und legte ihr am Morgen – vor ihrer Abfahrt – die CD in’s Auto… am nächsten Morgen ein zweites… gleiches Prozedere Stück um Stück gegen den Sumpf von Depression und Schieflage… Vielleicht liess sich aus der misslichen Lage wenn schon keine Tugend, dann doch immerhin ein Zyklus „für liebevollere Zeiten“ lancieren?…
Die missliche Lage fand Ende Jahr eine glückliches Wende: ich konnte das Haus kaufen, in welchem wir auch heute noch wohnen!
Punkt 24.12. sassen wir – noch praktisch ohne unsere Habe – am Boden mit ein paar Kerzen und feierten die schönste karge Weihnacht unseres Lebens inkl. einem wirklich glücklichen Jahresübergang.
„Weihnachten mal anders“, eine Art ‚fortlaufendes Sozialprojekt‘ (gegen schlechte Laune oder deBrosionen/Mief), entrollte sich Stück um Stück zu einem Zyklus aus Liedern und Geschichten…
2004
richteten wir uns definitiv ein und ein massiver Umbau begann zuerst im „Tenn“_, bzw. im Stall_Teil der Liegenschaft, lange bevor der definitive Aufbau des Studios in Angriff genommen werden konnte.
…vorübergehend war „Übergangslösung unter’m Dach“ angesagt…
…die Weiterentwicklung der (meist stumpfen) TechnoSchiene, d.h. Drum And Bass, Chill-Out, Remix oder Ambient u.v.a.m., d.h.
Musik, produziert mit intelligenter Zuhilfenahme von Maschinen kam just gelegen unter diesen ergonomischen Umständen:
die heilige Flamme der Kreativität am Leben zu erhalten forderte jetzt (im momentanen Alleingang) mehr denn: Phantasie und Geistreichtum.
Es geschahen doch immerhin witzige Situation:
Henry Morris (R.I.P.), „the golden voice of London“ (emeritierter – und begnadeter Backround-Sänger für Moody Blues und Electric Light Orchestra u.a.m.)
der uns so toll half beim Umbau, offerierte für die 3 wöchige Einladung, „eins zu singen“ für mich (wir sangen schon in den -70er Jahren oft und gerne zusammen). So geschah unter’m Dach – just bevor Henry wieder zurück nach London flog – ein „Quickie“ zu „Fire Bird“ und „Kites“…
Aber der Wunsch nach synergetischem Zusammen, simultanem von Mensch-zu-Mensch-musizieren, ist und bleibt unabdingbare Voraussetzung, den Horizont zu erweitern. Zusammen mit Mensch ob mit oder ohne Maschine!
Bald war der Umbau im Tenn so weit Gediehen, dass es (endlich) wieder weiter gehen, die Messlatte höher gesteckt werden konnte…
Erste Versuche resultierten in einem Aufschichten von verschiedenen klanglichen Bausteinen im Sinne eines Patchworks, einer Collage.
So z.B. die erneute Einbindung des o.e. in Jeddah (auf Kassette) aufgenommenen Muezzin.
Und schon war der Zauber einer ersten Messlatte gesteck: eine Santur/Hackbrett_Improvisation (inkl. Muezzin) unterlegt mit einem Bass, der in keiner Weise der Tonika für einen solchen Gesang entsprach.
Doch der momentane Schwurbel mit dem provokativen Unsinn der Mohammed-Karikaturen (nach den Charlie Attacken) hat uns einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zwar wäre die von diesem Muezzin gesungene Sure aus dem Koran (Ar-Rum, Vers 30)
eine nicht-fundamentalistische, friedliche Botschaft: denke Gutes, tue Gutes und Gutes wird Dir widerfahren o.ä. (alternativ: erreiche mehr als Du verdienst)… also „nur“ zoroastrische Überlieferungen… lange, lange vor dem Koran!…
Nun haben tagelange Diskussionen mit Islamwissenschaftler und -Internetforen allerdings eine ziemlich klare Botschaft signalisiert: mit Allah wird nix Geld verdient = der Qu’ran wird niet „vertont“ o.ä…
Obwohl das Projekt nur als Brücken_Schlag angedacht ist, hat gerade dieses Stück eine noch grössere Daseinsberechtigung, weil es nicht um eine Ideologie oder politische Standortbestimmung geht, sondern um einen „Ruf“; eine Stimme einzubetten; Paradigmen (z.B. eben die arabische Vortragsweise eines Muezzins) einmal vor einen anderen Hintergrund, bzw. musikalische Untermahlung gestellt. Aber es sollte nicht sein. Also wurde der Muezzin wieder rausgenommen, Vokale und Konsonanten analysiert, vertauscht und neu eingesungen vom heimischen Minaret Mensch aus, ein ‚purer‘ Muezzin (ohne inhaltliche Aussage… eine Art musikalischer Marshmallow). In keiner Weise ist dies als Karikatur oder Beleidigung gemeint. Einer unserer Dialog-Partner vom islamischen Forum schreibt: „the melody is no biggie – so long you don’t use the Qu’ran…“ und bedankt sich für den Respekt, den wir „dem Thema“ in Bullshit-Esperanto gezollt haben und damit gar nichts aussagen…
Ein gelöstes Problem, und doch stimmt es mich sehr bedenklich, dass mit diesen Karikaturen so ein Hirnschwurbel entstand, wo ein Ober-Manitou von Nestlé schamlos (und unangefochten!) trötet: Wasser ist ein Nahrungsmittel und muss privatisiert werden. Nestlé ist ein Nahrungsmittelkonzern, also will Nestlé Wasser verkaufen…
Aber eben: versuche Gutes, und Du wirst John Lennon kennenlernen… Heisst Du Marshmallows, dann wählen sie Dich zum Präsidenten! Erzählst Du Sch… wachsinn, kriegst’n’satten Lohn bei SRG, ARD und Co…
Aber es geht hier nicht um die Debatte von Sanktionen (sowenig wie Sakralem oder Sekreten). Unser Handwerk ist dem Spieltrieb gewidmet, Freude zu generieren, Positives zu vermitteln und damit recht und billig ,Gutes Tun‘. Gerade „Beacon of Hope“ illustriert, dass alles gut genug ist, eine Brücke zur Hoffnung zu schlagen, sei dies ein Leuchtkäfer oder – für manche – ein „Gott“. Die Brücke ist nur ein Träger für grenzüberschreiende Botschafter. Die Botschaft ist in unserem Fall eine friedliche Musik der Hoffnung. Es gilt, die andere Seite, die noch bessere zu erreichen. Zusammen mit Menschen aus aller Welt, unabhängig von ihrem Glauben und/oder ihren Meinungen und mit diesen Menschen so etwas Friedliches zu tun wie z.B. „nur Musik“ und die „Messlatte des Ungewöhnlichen“ zu überschreiten.
Nebst den o.e. Hackbrett-vs.-Santur-Improvisationen boten diese „Soundwände“ und „-Teppiche“ einen reichen Fundus für abstrakte Collagen und neue Vorlagen für Overdubs auf neuen Stücken für’s nächste Projekt… und es sollte noch zwei Jahre dauern bis ich diesen begnadeten Santur-Spieler (Alan Kushan) kennen lernen sollte…
Mensch Music vernetzte mittlerweile viele Künstler aus früheren Produktionen und so entstand der Wunsch, auch „auf Distanz“ mit Musikern zusammen zu arbeiten. Viele unserer Freunde sind mittlerweile technisch gut genug ausgerüstet, Aufnahmen zu Hause zu machen. So ist mit der heutigen Kommunikationstechnologie (u.a. Internet) die Übermittlung von „Klangbausteinen“ (z.B. Solos) ein willkommener Fehdehandschuh. Sylvain Gagnon lieferte einen akustischen Stehbass aus Hong Kong, Barbara Dennerlein ein Orgelsolo aus München, Raphael Zweifel eine Cellopassage aus Paris und Matt Weeks, den wir persönlich nicht einmal kennen (!), einen fantastischen Funk-Bass aus England… und alle sind sie mit uns…
Begegnungen virtuell und Begegnungen aus konkreten Situationen: Lars Hollmer in der Heuwiese im Dorf und das immer wieder neu bestückte Gästebuch fliessen nahtlos ins Projekt. Jeder musikalische Besuch hinterlässt seine Spur mit einem gemeinsamen Nenner: positive Botschaften und Betrachtungen, wie z.B. das Gedicht
Bi mongol Chun
Argaliin utaa borgilsan
Maltschnii gert törsön bi
Atar cheer nutgaa
Oelgie min gej boddog
Tsencher manan suunaglasan
Alsiin baraag shirteed
Tselger saichan nutgaa
Setgel bachdam charachad
Uleej baigaa salchi ni
Unseed ch baigaa jum schig
Oerschöölt eejiin min gar
Ileed ch baigaa jum schig
Enerengui saichan sanagdachad
Eleg zurch min dogdloj
Chosgui bayariin nulims
Chojor nudiig min burchdeg.
(Ein Mongole sitzt auf dem Berg und betrachtet seine Umgebung.
Denkt wie schön seine Heimat doch ist. Er spürt den Wind über
seine Wangen streichen, wie er es von seiner Mutter gewohnt ist.
Es fallen Tränen in seiner Glückseligkeit.)
Als „Bausteine“ zu dieser Produktion, bemühte ich u.a. eine gigantische Symphonie (aus dem Industrial_Projekt „Manoeuvres d’Automne“) aus Frosch-, Sumpf- und anderen Naturaufnahmen (damals noch alles mit Bandschnipseln, Sampling war noch nicht in bezahlbarer Reichweite).
Geblieben von der Produktion ist die indelebile Erinnerung, wie diese Frosch-Symphonie unveränderlich, absolut und immer magisch zu ausnahmslos jeder Tonart ‚passt‘ (groovt, stimmt)…
(Anspieltip: „Canabeat“) – siehe dazu auch „Kulu Hatha Mamnua“.
Eine andere Entdeckung erweckte ebenfalls ‚kreative Gelüste’: eine Produktion von Wendy Carlos („The Beauty in the Beast“), vor allem getragen von mikrotonalen Stimmungen, zeigt deutlich, dass ‚verstimmte’ Sachen für’s Ohr durchaus schmeichelhaft sein können (eine von synthetischen Klängen bislang unerhöhrte Wahrnehmung), gerade weil eine natürliche Reibung vorliegt.
Ein Balafon mit all den klanglichen ‚Unzulänglichkeiten’, reibenden Schwingungen, bzw. diesen ‚ungewöhnlichen’ Stimmungen, demonstriert die Launen dieses Instrumentes wunderbar in „Balakan“…
Kyrie Baleyfon!
…und lange hing natürlich die Frage im Raum, ob Herr Waali denn jetzt nicht doch noch einen Reggae einwirft. Also krempelte Peeni die Ärmel hoch und fand zwei Hackbrett_Ostinati und schon rast da farei und fröhlich ein Reggae-Groove durchs magische Grammo von Adel-ör…
2005 schlug mir Lars Hollmer (Mitte, rechts und links die Brüder Marcoeur) vor, jetzt doch mal auch endlich zusammen zu spielen, also organisierten wir ein kleines Konzert hier in der Weite (am 26. Februar in der Heuwiese)…
Im Sommer schmiss mich Albert mit fallaziösen Gründen raus, um den dritten Bruder (Gérard) wieder ins Boot zu hieven mit meinem Keyboard und meinen eigenen programmierten („customized“) Sounds! Er höre immer die gleichen Fehler an den gleichen Stellen, ich arbeite zuwenig am Balg vom Accordeon u.a.m…. (auch Albert stolperte immer wieder an den gleichen Stellen über seine Vergesslichkeit und ja, das mit dem Accordeon musste wohl so sein, weil mich sicher gleich darum Lars Hollmer eingeladen hat, mit ihm zu spielen…)… ergo: kein Verlust. Im Gegenteil: ein Gewinn!
Natürlich verfolgte mich der Rausschmiss mit wiederholten/regelmässigen Alpträumen: ständig kommt unmittelbar vor dem Auftritt zur Bühne der sureale Augenblick, wo mir in abstrusen Szenen zu verstehen gegeben wird: „… geh jetzt weg, Du spielst doch gar nicht mehr mit!“.
Da packte ich den nächtlichen Unbill an den Hörnern und buchte drei Tickets für ein kommendes Konzert (in Colmar), lud Heinz Vetsch und Veit Stauffer ein, und so sah ich das Konzert von vorne (mit Gérard an meinem dezidiert programmierten K2000), und die Wirklichkeit erübrigte fortan / ein für allemal den Alptraum…
Gut so, denn im Juli kamen Aufnahmen von Sarah Ndagire & Pedson Kasume aus Baganda (Uganda) für eine weitere Veröffentlichung auf Face Music…
Und dann starb meine Mutter… Linton war mir ein grosser Freund und treuer Beistand in dieser „schwierigen Phase“. Er reiste anderntags sofort hierher und versicherte mir, der Rausschmiss sei „rein politisch“ und ‚mama may have, papa may have and good bless the child that has its own’… !
Nur soviel neben der Trauer, nunmehr ein Weise zu sein: Mutter’s Bösendorfer kam schon mal hierher:
Die „ablenkenden Sessions“ waren ein äusserst willkommener Tapetenwechsel zur nun entfesselten Phase (bis 2010) mit noch mehr Erbknatsch. Zum Glück zeitigten die erfreulichen Aufnahmen (2 CD’s mit Khan Bogd, einem 10-köpfigen Ensemble aus der Mongolei) eine erträgliche work-life-balance, wie man so schön sagt…
… bzw. ist’s immer wieder ein erhebendes Erlebnis, eine Gruppe ‚live und direkt‘ zu erleben. Keine Overdubs, kein zerstückeltes Puzzle. Einfach eins, zwei, drei: Aufnahme.
Ganz besonders, wenn die Truppe so frisch und frei von der Leber spielt.
Und auch die letzten Aufnahmen für das eigene Projekt kamen in die Zielgerade für
Eine CD mit vielen Leitmotiven, vielen roten Fäden. Eine Musik aus Jux und Tollerei, der Musik zuliebe, Technik immer und nur ein Hilfswerkzeug. Die Produktion war geprägt von herrlich Handgemachtem: Alan Kushan mit seinem persischen, filigranen Santur_Spiel oder Meister Ljubo Majstorovich aus Dubrovnik u.v.a.m. Das ganze Album ist durchzogen von der Liebe zum Handwerk und zum Detail, ein ge-spieltes und ver-spieltes Album…
„SHA“ lebt von der opulenten, klanglichen Vielfalt, von Klangspielereien und Effekten und – vor allem – Kontrasten; eine zeitgemässe (Re)Form von World Music. Neue Elemente und Produktionstechnologien werden mit eigenen, lokalen Wurzeln verbunden. Mit all den Verbindungen zu den verschiedensten Musikern und Kulturen aus aller Welt wird Neues geschaffen, und trotz allem immer das Fenster offen gelassen für eine weitere Episode im eigenen Tagebuch, just a joyful noise, und mit zeitlosen Grüssen verbleiben…
Und die nächste ‚folgenschwere‘ Begegnung folgte auf dem Fuss: Alan Kushan, der Iranische Santur Meister wurde uns für ein Wochenende vorgeschlagen/anvertraut: die Vorlage war, wenn er in’s FamilienGefüge passt, selbstverständlich gerne. Alan offenbarte sich als warmherzigste Seele mit einem riesen_Herz trotz dem düsteren Trauma, das er vor sich her zu (er)tragen schien, und es konnte gar nicht daran gedacht werden, er könne nicht ‚in die Familie passen‘. Die Vereinbarung war: egal, wo wir (musikalisch) grad stehen würden: wenn der Haushalt ruft, wird die Arbeit im Studio bedingungslos suspendiert… (und es kam praktisch nie zu solchen Szenen!). Auch die Kinder waren begeistert, wie der mit einem spielen konnte… .
So war Alan denn 3 Monate hier und überzeugte mich, weiter zu machen mit Veröffentlichungen.
Er hätte da so eine Idee, die er gerne ausprobieren würde…
Alan baute seine Idee aus und besang es mit einer rauhen, beissenden Stimme. Es fühlte sich äusserst agressiv an. Das Stück hiess „Ridaan“. Offensichtlich ein iranisches Schimpfwort der ExtraKlasse, worauf wir später harsche Kommentare und „dislikes“ erhielten. Dann fragte ich ihn, ob er eigentlich auch ’normal‘ singen könne, also ohne den künstlich „aufgerauten“ Growl, auf dass es wunderbare Blüten treibe und einen vollen Korb herrlicher Vorlagen zeitigte…
Und immer wieder neue Aufnahmen, mehr und mehr Improvisation (das Salz der Musik…). Hier z.B. mit unserem Freund (und Homöopathen) Peter Gisler (R.I.P.)
ist mündig und freilauffähig geworden…
Eine Arbeit für Betty Legler (mit dem Alphornquintett Hans Kennel) kredenzte sie mir (anstatt „Salär“) mit ihrer sphärisch wunderbaren Altstimme auf zwei Cover_Versionen von „White Noise“ – leider (bis jetzt) – nie veröffentlicht: „Hidden Dreams“ und „Fire Bird“. Für letzteres Lied versuchte sich Heinz Vetsch mit Gesang. Geplant wäre eine Single gewesen, was aber wegen Meinungsverschiedenheiten nicht geschah… Heinz liess seine Kanäle spielen und wurde von Karl Jenkins (Nucleus, Adiemus) angefragt, ob er nicht ein Playback von „Fire Bird“ liefern könne (was er auch eigenwillig tat!) für ein geplantes Konzert von/mit Arthur Brown („the king of hell fire“). Keinerlei ‚Offerte‘ o.ä. folgte. Wir hörten nie wieder etwas davon… project shelved…
…obskur, weil ohneBegegnung?
Heinz war grosser Kenner und Liebhaber von Musik. Er schmiss den Plattenladen in Buchs („Poco Loco“) und organisierte seminale Konzerte jenseits vom Mainstream. Kein Wunder also, dass wir uns unmittelbar nach meiner Ankunft in der Ostschweiz (1987) kennen lernten. Er hatte einen herrlich trockenen Humor, war stets ein kritischer Zeitgenosse, aber hörte sich (fast) alles an. Er wies oft sehr treffend auf Besonderheiten hin, konnte Einzigartikeit bedingungslos anerkennen und lieben, prangerte mangelnde Demut und andere Dünkel an, tadelte plumpe Einfallslosigkeit, nörgelte am Zeitgeist…
Dann Filmriss… Diagnose Krebs! Ich fuhr ihn in’s Goetheanum für eine „Lagebesprechung“, weil er sich nicht der konventionellen Medizin anvertrauen wollte, bzw. eher einen „alternativen Ausweg“ suchte. Der Befund liess ihm allerdings wenig Spielraum und so begann eine grausame, langjährige, stete Degeneration.
Eine Alternative: wir vereinbarten regelmässige (wöchentliche) Treffen im Studio, um doch noch seinen alten, lebenslangen Traum vom „Musik machen“ zu realisieren. In seiner Jugend vermieste ihm seine Mutter leider die Unterstützung – vielleicht aus finanziellen Gründen?… kein Geld für Instrument oder Stunden?…
Allerdings war er (leider) schon als Jugendtlicher zu bekifft, um sich wirklich zu wehren und wenigstens – wenn auch nur freizeitmässig – biederes Handwerk von der Pieke zu erlernen: einfach mal ein Instrument spielen, Freude generieren, probieren, spielen, machen, spielen… Also machte er dann eben „etwas mit Musik“ (und wurde ‚Verkäufer‘)…
Heinz war nichtsdesto trotz ein grossartig dezidierter MusikKenner und -versteher mit einem überaus weiten Horizont.
Wir nutzten unsere wöchentlichen Treffs zum „mal eben schnell“ Musik „aufzugleisen, d.h. eine Cover-Version zu basteln, ihn in’s ProduzentenAmt zu hieven: er entscheidet, ich führe aus o.ä.
Heinz suggerierte, ‚Hybrid Kid‘ Morgan Fisher für Keyboards zu gewinnen. Morgan fragte mich einst an für das „Beacon of Hope“ Gedicht (von „Peeni Waali“), ob wir es für seine Miniatur Music Vol. 2 Zusammenstellung frei geben würden…
Morgan kredenzte als Retourkutsche – EnergieAustausch – und es entstand damit die wunderschöne „Blüte“ (mit Morgan’s Organs): ein Remake eines Robert Wyatt Stückes, wo sich Morgan als witziger Sänger anerbot. Wir beliessen’s dann allerdings doch bei einer wunderbaren Instrumental-Version, welche unter dem Titel „Inspirette“ auf der Wiederveröffentlichung (der LP „Kulu Hatha Mamnua“) 2023 auf dem französischen Label Décale erschien…
…nach der Rückkehr aus den Ferien in Kroatien rauchte ich nie wieder… intensive Arbeiten am und im Haus (Vorbereitungen für’s komfortables Gästezimmer inkl. Nasszelle) forderten ihren Tribut: ich verlor 10 Kilo!
+ eine überraschende Fussnote zum Jahresende: die Firma Spectrasonics lancierte einen Wettbewerb: wer die tollste Musik mache mit 3 vorgeschlagenen Klang_Schnipseln aus Spectrasonics‘ „Flaggschiff“/Synthesizer Omnisphere. Aus diesem „alternativen Beacon of Hope_Re_Mix“ kreierte Spectrasonics die extra-Kategorie „most excentric production“, mit welcher Beacon of Hope als Gewinner eine Vollversion des fantastischsten SoftwareSynth aller Zeiten (Omnisphere) hervorging, bzw. die Rangverkündung eine direct an mich gerichtete, warmherzige Ansprache des Masterminds hinter Omnisphere, LabelChef Eric Persing… eine Online_Begegnung sozusagen…
2008
entstand die Filmmusik zweier Filme zum Thema GFK (GewaltFreieKommunikation) für „Metapuls“…
Und noch eine Session (für das Face Music label): das zweite Volumen von „Pearl“ (aus Uganda), diesmal eine Kollektion von ritueller Musik als Zelebration von Zwillingsgeburten!…
Im Sommer wollte unser Älterer (Linus) einen Rap vortragen, ob ich ihm dafür ein PlayBack herstellen könnte…
(als Teenager stand ich doch auf den österreichischen Kabarettisten Georg Kreisler, also zitierte ich von der Pieke auswendig den „Opern Boogie“_RapTeil davon (eine wilde Aliteration von Komponisten, eine Art ‚abstrakter Boogie Woogie Rap‘ – lange vor seiner Zeit).
Sowas vielleicht?
Und der Junge schaffte seine Bestnote mit Spass (inkl. dem jüngeren Bruderherz…! ).
Es keimte die Idee, einen ganzen Liederzyklus mit Georg Kreisler Covers zu machen.
Traurig genuger Themawechsel: am 24.12. verstarb unser geliebter Freund Lars Hollmer (R.I.P.)
2009
mangelnde Begeisterung für’s Mitmachen am Georg Kreisler Projekt verwies mich zu meinen Leisten. Aushecken und geniessen spielerischer Blüten von und mit Alan Kushan’s verqueerten Improvisationen, Orchestrieren mit „erweiterter Kavallerie“… ein Buffet voller Düfte, Töne und Schatten, „instrumentale Schwelgungen“ u.v.a.m… (Anstoss für ein Folgeprojekt von „SHA“?)…
Verkäufe wurden seit Jahren rückläufig und es verstärkte die Überzeugung, dass Musikmachen Priorität haben muss… vs. Musik ausverkaufen…
Die ‚Schliessung der Bude Mensch‘ war unausweichlich… das merkantile Denken überwucherte mehr und mehr die unerschütterlichen Haltung, weiterhin keine Erwartungen und Spekulationen mehr zu schüren, sondern dem (gar nicht mal so) versteckten Potenzial im Schatten zu huldigen: einfach mal kommen zu lassen, was da kommen soll, wo die Seele baumelt… es gut genug sein lassen…
Man hatte mich oft angepöbelt, immer nur Rumpel- und Holter_di_Polter Getöse vom Stapel zu lassen, also stellte ich eine (Freizeit)Auswahl selbstgestrickter Fragmente der besonnenen Seite zusammen, das meiste ohne Schlagwerk, Vorläufer der ultimativen Adagji… (24 Doppelalbumse!), ein privates Seitenprodukt, von Hand gespiesen, noch nicht existierende „Musik für die Tauben mit Exegese für die Blinden“, quasi eine Katalognummer AGR 016…
Wie dem auch sei, auf jeden Fall klickte Alan perfekt in den Moment für aussergewöhnliche Soli in „isolierte“ (unfertige) Skizzen, Klangwolken und Spielereien, wie u.a. ein Cover von 1967 (!): „Kites“ von Simon Dupree & the Big Sounds, (aus welchen später Gentle Giant entstehen sollte…)
Vorgesehen war dies als „Spielwiese“ für Andri, der mittlerweile bereits richtig fein Klarinette spielte. Er befand, seinen eigenen (hohen) Ansprüchen noch nicht zu genügen für so einen „in Stein gemeisselten“ Beitrag, also bestückte ich die Sache mit verschiedensten Ingredienzen, liess unseren Freund (und Homöopaten Peter Gisler) das Alphorn blasen und und und, und letztendlich widmete ich das Stück meinem alten Mentor Rico, den ich für ein Solo dazu bereits im Fadenkreuz hatte…
Und jetzt, wo die Kinder „gross“ waren, vermissten wir einen 4-Beiner. Wir hatten immer Katzen, aber nun war die letzte „gegangen“, bzw. überfahren worden, also besuchten wir einen Bauernhof, schliefen im Stroh für’s Abenteuer, und Andri suchte sich ein 10-wöchiges Kätzchen aus. Es war ein aussergewöhnlich liebenswürdiges, geselliges Tier, passte prima in’s Familiengefüge und tröstete uns über den Verlust von Heinz Vetsch (R.I.P.).
Wir nannten es ‚Knubbel‘. Es wurde 16 Jahre alt…
…danach unterzog ich mich einem Quantensprung persönlicher Bewusstheits-Tribulation o.ä…
es dämmerte, dass es letztendlich gar nicht so sehr die Musik war, die mich interessierte… Ich könnt’s erklären für Dich, aber verstehen für Dich kann ich’s nicht…
Nur dem s o u n d auf den Versen?
Ich wurde geblendet vom Glauben, Musik studieren zu müssen.
Aber Musik ist letztendlich nichts anderes als ein „Abfallprodukt“ dieses viel umfassenderen Ding namens Sound…
Der Mensch nimmt’s also für gegeben, dass nur Rastahete und/oder Rastapetete ernst zu nehmen sei?
Nur ihre Musik sei die einzig wahre?… obwohl doch jede „einzelne Musik“ nur ein winziger Splitter vom Ganzen ist, was wir nie in seiner Ganzheit erfassen können…
Ist es also nicht mehr so etwas wie „Raum“ und/oder „Zeit“? Eine Dimension? Zwei sich ergänzende Dimensionen oder nur die Hälfte der anderen? Und welches wäre dann die andere, komplementäre?…
Machen wir Musik nicht aus Sound, und Gegenwart aus Zeit? Erreicht es uns als Realität, als Wahrheit?
Ist es das, was „in uns anklingt?“
Ist unser Unverständnis also nur die Komplexität solcher „Einheiten“?
Je mehr ich „weiss“, desto weniger verstehe ich jede Einzelheit der Miriaden von Möglichkeiten, „eine“ Musik zu machen… nur ein ‚joyful noise’… (wie Mentor Rico zu sagen pflegte)…
Heute ‚weiss‘ ich mit Sicherheit, warum ich nie „erfolgreich“ war, warum ich den permanenten Wechsel eines „Systems“ dem starren „Stil“ vorzog, einem „Rezept“ konstant aus dem Wege ging, Neues erproben wollte, ohne zu wissen, dass man auch damit nur auf der Stelle tritt. Deshalb konnte ich auch in keiner Konstellation / Formation „parkieren“ o.ä…. blieb rastlos… Jetzt war doch immer da?… also was sollte ich „mich weiter finden“?… und keine Errungenschaft lässt sich wiederholen…
Zu viel „Sprunghaftigkeit“ passte in keine Schublade einer einzigen „Zuhörerschaft“…
…gut ist, was gefällt, was „von der Hand fliesst“… jeder Tag eine neue Periode, eine Improvisation… nur ein Ohrenblick… ewig neue Begegnungen, neue Augenblicke… wie ein Durchzug… durch Sound…
Ohne Wiederholung ausser der Überraschung über das Neue. Und wenn nichts Neues passiert in einer Musik, dann ist sie nicht beständig. Nur das Neue erhält den ewigen Fluss… Nachahmer sind vergänglich…
… just a joyful noise… kein Sicherheitsgurt auf dem hohen Seil der kontrollierten Äusserung ohne strukturiertes Arrangement… Akzeptanz der Einzigartigkeit… kontrollfreie Demut, Form oder Zierde.
Sound gibt’s nicht in Büchse und nicht als Pille.
Musik kann zwar tatsächlich aufgenommen werden, aber die Aufnahme wiederspiegelt den Moment der Entstehung nicht mehr. Es wird ein vergessener Ohrenblick, überdröhnt vom nächsten…
Mehr und mehr verstehe ich das unendliche Glück der Improvisation, auch wenn das Verlassen „gesicherter“ Pfade Mut und Kraft verzehrt. Die Befreiung von Strom und anderen Energien bleibt Illusion, was exponiert / reproduziert werden kann (Anerkennung erhofft?), vergeht unweigerlich in’s Abseits… o.ä… Mehr dazu hier…
2010
wurde auch zum Jahr, in welchem sich (endlich) der 13 Jahre lang währende Rosenkrieg zwischen den Geschwistern löste. Eine klassische (langweilige) Geschichte von wie man die Familie kennen lernt, wenn (überhaupt)… ein faules Ei in einem besessenen Korb kann die Suppe richtig verderben, wenn eine unersättliche Rechthaberin mit einem betrügerischen Dumpfbeutel zankt… weshalb der „befangene“ Willensvollstrecker (sanft ausgedrückt) von Amtes wegen mit einem amtlichen Profi ersetzt wurde. In unserem Fall einem (exzellenten) Treuhänder (aus Bottmingen), der als Architekt einer weiteren, glücklichen Episode fungierte: Er realisierte sofort, dass ich (als jüngster Spross) offensichtlich Kontakt mit allen aufrecht erhielt, also war ich als zentrale Anlaufstelle gezwungen, dieses Papier da und jenes Formular dort beim einen oder der anderen einzufordern, und miteinander zu reden… das gestaltete sich zwar während mehr als 10 Jahren zusehens härter und schwieriger, aber es ermöglichte dem Treuhänder, den festgefahrenen Karren geschickt und mit Bravour aus dem Dreck zu ziehen.
Während uneseren Telefonaten realisierten wir beide, dass wir „Musik-affin“ waren und uns das eigentlich viel mehr interessierte als der gehässige Nachlassschwurbel.
So meinte er einmal: „Komm doch mal nach Basel und wir machen eine Jam-Session“… es rieselte mir fröstelnd den Rücken runter, nicht wirklich ablehnen zu können, solange der Erbtürk nicht gänzlich in trockenen Tüchern war, also willigte ich ein. Ulle nannte mir einen Ort am Claraplatz, wo das Übungslokal war und so gelangte ich denn zu diesem „Restaurant Roter Hahn“, zweiter Stock mit Holztreppe… ein Übungslokal im zweiten Stock? Mit all dem Radau, was so eine Jamsession üblicherweise doch generiert?…
Jedenfalls stehen dann 8 Pfeiffer und 4 Trommler da! Jä soooo war diese „Jam-Session“ gemeint…
Einer der Pfeiffer sagte: „ich weiss, dass Du lesen kannst, hier ist ein Piccolo“ und reichte mir eine Partitur (es war „Alt Frank“) und ‚vorwärts marsch‘!…
Die Sache klappte eigentlich ganz gut und wir spielten noch zwei, drei „Märsche“ aus dem Fasnachtsrepertoire (u.a. „Lumpesammler“…).
Ich war vollkommen überwältigt, zumal ich bis jetzt absolut nie „Fasnacht gemacht“ habe. Meine Jugend verbrachte ich mit den Eltern meistens mit Skifahren im „Chalet Anzano“ in Montana. Der Pubertät noch kaum entflohen interessierte mich Fasnacht überhaupt nicht…
Nach der Probe meinte der Rolf (?) – ein ex-Anwalt: „also gut, jetzt kommst‘ einfach jeden Freitag in’s Hotel Basel, wo wir proben und dann lernst das dann schon“…
Eine Fasnacht kam inkl. Morgenstraich midallem… Lichter aus in der ganzen Stadt, am Morgen Punkt 04 h oo, alle spielen ausnahmslos den gleichen (Morgestraich)_Marsch, ein lautes, asynchrones anonymes Schlendern durch die Gassen, drei Tage lang die „Innereien“ von alten Liegenschaften der Stadt aus nächster Nähe erleben, die schönsten 3 Tage des Jahres wie es in Basel heisst, das war eine ausgesprochen heftige Erfahrung, eine neuartige musikalische Liebesgeschichte…
Nebst diesem neuen Strang verblieb noch die Aufarbeitung des „Familientraumas“. Bruder Philippe und ich entschieden für eine Familienaufstellung in Lübeck! Es war eine phantastische Erfahrung und brachte mir einiges an „Erkenntnissen“. Wenn es „Krieger des Lichts“- nach Coello – gäbe, plädierte ich für Krieger des Sounds…
Auch Schwitzhütten wurden aktuell und brachten ebenfalls wieder neue Begegnungen! neue Sessions…
2011
Gerade erst hatte ich das „Hadouk Trio“ entdeckt und war dermassen begeistert und wie vom Blitz getroffen, dass ich mit Astrid im Februar nach Paris fuhr, um das im Konzert zu erleben. Ich konnte nicht umhin, den Duduk-Druiden Didier Malherbe (von Gong’s Gnaden) in die Schweiz einzuladen für ein paar Tage frische Luft für sein Duduk…
So geschehen, allerdings erst ein Jahr später…
Neben der Aufarbeitung des Fasnachtsrepertoire war auch schon lange ein „FamilienAusflug“ im Juli nach Berlin geplant, zu Tobias Morgenstern’s „Theater am Rande“ (der Oder, westlich von Berlin). Und wo wir doch gerade gerade an einem Cover von Gijs Levelt’s „Son“ waren – Andri war mittlerweile sehr angetan vom Filmen – wurde bei Tobias fleissig gefilmt und zu Hause dann geschnitten auf Teufel komm raus. Jeden Effekt, den so ein Programm hergab, musste ausprobiert werden…
Für Tuba und Euphonium besuchte ich Shirley wieder mal (bei ihr zu Hause gen Neuenburg, unterhalb vom Chasseral).
Und als Steve Gregory uns auch wieder mal zu unserem gemeinsamen Geburtstag besuchte, spendierte er Andri einen Meisterkurs für unsere eigene Version dieses balkanischen Tänzleins…
Alan entführten wir sogar auf eine früh-morgentliche Fahrt auf den Chäserugg (2’200 m ü.M.), wo er den Sonnenaufgang be-santurtelte…
Und natürlich wollten wir diese Amsterdam Klezmer Band auch live kennen lernen…
Sänger Alec Kopyt (von Amsterdam Klezmer Band) und Andri…
Gijs freute es umsomehr, weil er einmal mit Rico spielte und Alec beanstandete auch in keiner Weise, dass Alan einen ganz anderen Text (als das Original) erfand.
Eine ungewohntere Begegnung ereignete sich mit der Lektüre von Walter Moers‚ Romen „Die Stadt der träumenden Bücher“. Ich (und die ganze Familie) waren dermassen angefressen von der Vielfalt spinnerter Ideen (und tollen Illustrationen), dass sofort die Idee entstand, eine FilmMusik zu dem (noch nicht) gemachten Film zu erfinden…
Es lag auf dem Ohr, dass der Modus Vivendi mit ‚unvorhergesehenen‘ Improvisationen den spinnerten Ideen von Moers mithielt… Moers selbst befand die „Muster“ vergangener Taten als „genau seine Kragenweit“. Wir blieben in Kontakt. Und während Alan’s nächstem Besuch bespickte er (Beispiel „ZamonArie“) onomatopäische Sounds mit Wortgebilden aus dem Moers’schen Repertoire, also Fantasienamen und -Begriffe aus Moers‘ Welt.
Dieses Repertoire bestand u.a. aus seinem Universum Zamonien und dessen Ursuppe, eine Art meta-Magma des „Orm“ mit wildesten Gestalten wie „Anazea Anazazi“ (eine Schreckse), den „Trompaunenkonzerten“, goldige Eichhörnchen auf ihren Erkenntnussbäumen und meinen Lieblingen, den „Buchlingen“ mit ihren unzähligen Anagrammen, alles unter der Aegide vom (selbstverliebten) Schriftsteller/Drachen Hildegard von Mythenmetz u.v.a.m.
Dank Andri’s Interesse, „Filme zu machen“, stach uns der Hafer, entsprechende Video Clips zu basteln:
Moers musste dann leider abwinken, weil er vergessen hatte, dass die Filmrechte zum Buch schon vergeben waren, und dass „Die Stadt der träumenden Bücher“ nur zum träumen bleiben werden. Das Projekt wurde offensichtlich/vorderhand „geshelved“…
…je nu… nichts hinderte uns daran, weiter zu werkeln und es zwar bei den paar Videos belassen zu müssen, aber Stücke (mit anderen Texten) rauszubringen…
2012 CD AGR 017, zu meinem 60sten – die 17te Seite meines Gästebuches, dem „Durchgangs-Logbuch“ aller Begegnungen, welche hier ein par Sechzehntel mit noch ein wenig Zweiundreissigstel hinterliessen…
…wie geplant, kam Didier (Malherbe) alsobald mit einem Köcher voller Pfeiffen nach Weite und berauschte uns 3 Tage lang mit seiner schlichten Art und einzigartiger Spielart…
Manchmal tauschten wir Soundfiles via Internet oder ich besuchte ihn in Paris… Beim Kaffe erzählte ich von Rico, zeigte ihm das ultra-rare Dub Album von „Man from Wareika“ und er erzählte mir, dass Rico sein „täglich Brot“ war, als er auf Ibizza in den Sechzigern mit Gong saxophonierte!… Und weil Rico ja auch auf Shab Tab spielte und sogar hier ein paar Filmausschnitte davon entstanden, liess Didier es sich nicht nehmen, ebenfalls noch ein Solo beizusteuern (live gefilmt!), obwohl die CD Shab Tab bereits erschienen war…
Nun bahnte sich eine ganz andere Schiene an:
während eines morgentlichen Pfeiffens (vom B. Batschelets „Lumpensammler“ und anderen), kam Linton vom Gästezimmer herüber und meinte, „this sounds like home!“…
Jamaica war zwar schon „das Land vom Reggae“, aber Jamaica – mitten im Sklaven-Dreieck – wurde auch kulturellen Einflüssen ausgesetzt von (u.a.) Irish/schottischer Musik mit Banjo & Fifes… !
Er könne sich also zu diesem Pfeiffermarsch durchaus eine Basslinie vorstellen… Linton spielt zwar „nicht so gut“, aber sehr wohl entstehen aus seinen „Improvisationen“ zum Teil ausgezeichnete Basslinien (hier übrigens mit Steve Gregory, John Kpiaye, Dennis Bovell und Spahni mit von der Partie)…
Noch von Jenins her wusste ich um die Geduld, die es brauchte, bis er seine Idee einigermassen ‚erkennbar‘ auf den Bass brachte, also entschieden wir, dass – wenn wir beide genug Geduld aufbringen – so etwas durchaus machbar ist und so entstand eben der ‚orchestrierte‘, „erweiterte Lumpesammler“.
2013
Mittlerweile hatte mich das Fasnachtstrüpplein eh schon eine Weile nicht mehr zu den Proben im Hotel Basel geladen und ich verstand, dass ich ‚dämfall‘ nicht mehr „genehm“ war o.ä.
Ich erfuhr nie, warum genau, aber hatte so meine Ahnung, dass die Wurzel_Fasnachtisten eben doch mehr schiltbürgerig sind als freilaufende Katharsis… s’war eh keine Überflieger Clique… und danach wurde es damit erst richtig spannend…
Und jetzt, im Nachhinein könnte ich mir vorstellen, dass der Fasnachts-Rausschmiss damit zu tun hatte, dass ich eben oft (unbestellte) „Blüten“ trällerte, während das Trüpplein (ich glaube, sie nannten sich „Menü 1“) wieder mal einkehrte zum ewigen Saufen. Davon nicht so angetan, waren diese Pausen genau richtig getaktet für einen „Strich“. Man nennt das eine Sequenz, wo man sich mit anderen trifft und eine Runde (e Rindeli) zieht, so wie mit Fabiano, einem angefressenen, ausgezeichneten ‚freien‘ Improvisator/Trommler.
„Rechtfertigen“ liess sich meine Freistellung vielleicht auch just und genau wegen ’ständigem Improvisieren‘ (ganz zu schweigen wegen all den deftigen Orchestrierungen sonstiger traditionellen Märsche, wie z.B. dem wunderbaren „Alt Frank“ von R. Brielman…
Ein Tabu, belehrten mich die Gebr. Ösch (zentrale Figuren mit gewerblich betriebenem Spezialitäten-Laden beim Spalentor). Das ginge schon zu weit, aber da sie Brielman’s Werke verlegten, könn’s ausnahmsweise mal durchgehen… Nur Werke von Beery Batschelet wären tabu (das gäbe Ärger), zumal just im Lumpi „musikalisch nicht alles über jeden Zweifel erhaben sei“ (meinte einer der Brüder), o.ä…
Also eine Herausforderung, etwas Neues zu unternehmen, ein sehr willkommener Fehdehandschuh für allfällige Vergangenheitsbewältigung (…)…
…und genau mit Beery’s Lumpensammler, offenbarten sich ergo wiederum gleich mehrere, wundersame Begegnungen...
Am Orchestrieren vom Lumpi mangelte es noch an einem dezidierter Trommeltext für’s Video. Nur kannte ich niemanden von diesem Who’s Who…
Man empfahl mir Yvan Kim (danke Marie-Lou!)
Yvan bat noch um eine evtl. Vorlage, auf was er denn zu trommeln hätte und ihn nach der Fasnacht nochmal zu lancieren… (ich schickte ihm das im Aufbau befindliches Video vom Lumpensammler).
An der Fasnacht tummelte ich mich, als „Schissdrägg-Zügli“, als Maske.
‚Masken‘ nennt man Figuren wie z.B. den Harlekin, während man im Gesicht eine Larve trug), pfeiffen oft abseits der Trampelpfade einschlägiger Fasnachts_Literatur, weshalb man in einem ruhigen Gässlein, in einem Hauseingang oder in einem pitoresken Torbogen etc. immer wieder Hörerlebnisse der Extraklasse erleben konnte…
Also, mal gemütlich den Spalenberg runter pfeiffend, kommt mir so eine Maske entgegen und rammt mir schnurstracks den Finger auf die Brust:
„Bisch Du dä, wo mi Lumpi vrhunzt het?“ … „wohär weisch Du…?“
„…darfsch nüt an däm Video ändere“ unterbrach er mich „das isch sautoll! Kumm nach dr Fasnacht emol ze mir, jetz mues y wytr“… und weg war er.
Also Yvan + Beery + o.e. Video = ?
2 – 3 Wochen nach der 2013-er Fasnacht besuchte ich diesen Beery. Die Tür geht auf und er sagt, er sei nur der Zwillingsbruder, ich solle reinkommen, Beery käme gleich. Ich stellte mich vor als Zwillingsbruder von Fizzè und wir hatten ein überaus erfreuliches Gelafer, kamen dann bald auf die Musik, und er meinte, ich solle jetzt selber mal was komponieren, dann fände ich schon wieder Anschluss an ein Trüpplein… es stellte sich heraus, dass auch Beery (und „seine guten Frauen“) rausgeekelt wurden vom gleichen ‚Trüpplein’…
Er zeigte mir, wie leicht Schreiben ginge mit dem Computerprogramm (Finale) und sagte: „also? hesch Musig?“… ich pfiff ihm (in etwa) vor, was letztendlich eine vormalige Improvisation bei/für „Gumbo“ (2001) gewesen war…
Beery zeigte mir noch, wie man so etwas zeitsparend auf Papier bringt (mit dem KomputerProgramm „Finale“). Dann drückte er mir einen ProtoTyp von einem neuartigen Piccolo (einem BassPiccolo!) in die Hand und meinte, ich solle zu den ‚handelsüblichen‘ 3-Stimmen eine 4te Stimme erfinden und in 2 Wochen nochmal vorbeikommen. Er werde unterdessen schon mal ein ‚Layout‘ vorbereiten für einen eventuellen Druck…
Als Gegenleistung half ich ihm, für seine eigene Homepage seine Videos (mit dem KomputerProgramm „Première“) zu bearbeiten.
Er war so begeistert von diesem „Seiten_Event“, dass wir ein zweites Video (den klassischen Dub) vom Lumpensammler bastelten und hatten Riesenspass, noch mehr Hirngespinste einzufliegen…
2014
Bei Gesprächen (mit Beery) zu Bansuris bahnte sich erneut eine fantasstische Geschichte an: Didier erzählte mir vom israelischen Shakuhachi_Bauer (Kind der russisch-deutschen Familie), Mark Khaim Seligman, der renomierteste Bansuris (und die fantastischsten Mundstücke für Duduks herstellt) aus erlesendstem Bambus, welches er eigenhändig anbaut und jahrelang „badete, bzw. trocknet“ bevor er’s verbaut… nur verschicken würde Khaim seine Instrumente nicht, die müsse man schon persönlich bei ihm aussuchen
und abholen…
Also genossen wir die fantastische Fahrt mit dem Motorrad durchs wundbare Töff-Paradies Vercors mit einem Abstecher durch’s Tal der Ardèche nach Sauve (bei) Alès, ca. 80 km nördlich von Montpellier…(zurück dann über die Drôme und s’Vercors wieder hinauf)…
…und über Weihnachten besuchte uns Beery in Weite:
2015
Zu dieser Fasnacht lud mich Beery ein, bei ihm zuhause zu gastieren und die Fasnacht nur als Beobachter mitzumachen. Nur zuhören, sehen, höhren. Und wenn mir so ein Trüpplein gefallen würde, solle ich nach dem „Strich“ ebenfalls einkehren und eine Runde spendieren. Das sei ‚Brauch‘ so o.ä.
Ergo spendierte ich (im Stadtkeller oder Stadthof?) einem Trüpplein (dem I.R.S.) so eine Runde und bevor die guten Leute das Lokal verliessen, drehte sich ein Mann mit Poncho und Djarrango auf dem Rücken um, und fragte, wer ich denn sei…
„nur ein bewundernder Gönner“ und wir gingen unserer Wege.
Ich sah den Mann mit dem Poncho nochmals unterwegs (hinter der Harmonie auf der Lyss), pfeiffend mit Beery und seinen guten Frauen sehen (ohne zu wissen, wer das war…)
Bei einer Stubete gegenüber em Rümeliplatz – es war Dienstag und Kinderfasnacht – ich sass gemütlich am Brunnenrand und schaute dem herrlichen Treiben zu – telefonierte Beery und meinte: „Kannst mal hochkommen, grad vis-à-vis“.
Ich wusste Bahnhof, wer denn dort wohne o.ä…
…bei K. Klappka sass denn Beery an einem Tisch mit 3 anderen und zog ein Manuskript aus der Tasche mit „No Name“ drauf und meinte: „Lasst uns das doch mal spielen“. Erschrocken, das ja noch gar nicht wirklich geübt zu haben, meinte Beery nur: „kei Angscht, die könne das!“… Es war fantastisch! So lernte ich also die Crème de la Crême kennen, was Piccolo-brilliant-gespielt angeht… Kevin, in seiner Eigenschaft als Piccolo-Bauer bei/für Oesch meinte: „…das isch e neye Doon“…
…keine Ahnung, was das Neue an „Piccolo + Trommeln“ sein sollte (ausser vielleicht das BassPiccolo von Tom Aebi… damals noch praktisch unbekannt)…
Kevin fragte, wie das gute Stück den heissen sollte und ich meinte: „käy Ahnyg… weiss nid… „füüdleblutt“?“… Man sage fuudyblutt!…
Pesé, enlevé!…
Beery meinte, das sei eigentlich der vorgesehene Name für sein nächstes Werk gewesen…
An dem Treff, war jemand zugegen, der allerdings sofort nach dem Spiel gehen musste… s’musste ein Vater sein…
Die gesamte Stubete ging dann ebenfalls hinaus, die Kinder erschrecken…
Den Mann mit dem Poncho sollte ich viel später an einer heimischen Stubete wieder sehen…
aber dazu später mehr…
Nun kam die Rede auf den Trommeltext: Beery meinte, Ivan Kym sei (momentan) nicht belastbar o.ä., aber Urs Gehrig könne dies sehr wohl und sehr allerbestens… Auch diese Begegnung (bei den Aufnahmen dazu) war eine äusserst glückliche Angelegenheit
Wieder mal bei Beery rief ein ‚Gérald‘ an.
Der Mann, der an die Kinderfasnacht musste!
Gérald fragte, ob ich ihm einen Stimmauszug für’s BassPiccolo zustellen könne und – überhaupt – wo ich eigentlich pfiff. Ich antwortete wahrheitsgemäss: „bei niemandem“. Ob ich denn nicht mal vorbeischauen wolle an einer Probe (im „Zorn“)…
mit diesen „gääle Daggel“…
Der Treff wurde zum Treffer: wieder in einer Clique!
Gérald wurde zum „Chief“ für lange Jahre toller Begegnungen und (musikalischer) Abenteuer. Er war u.a. auch pivotaler Auslöser für die nächsten 3 Veröffentlichungen der Fasnachtsblüten (inkl. deren Layout)…
Also ab in die Fasnachtskiste, z.B. via den vorfasnächtlichen „Pfifferli“_Veranstaltungen im Theater Fauteil. Die dortige „Haustruppe“ (artists in residence) hatte allerdings (noch) kein BassPiccolo (von Tom Aebi), obwohl dieser neue Klang die „Schreihölzer“ (die konventionellen Piccoli) exquisit veredelt! Es kam Spitz auf Knopf… die „innerfasnächtlichen Beziehungen“ spielten und die Mühlen mahlten:
Gérald war’s wieder mal zu verdanken, dass dies dann (zur ’16-er Fasnacht) just doch noch ‚irgendwie‘ klappte und fuudyblutt ädäwäg unters Volk kam….
Der traurigste Tag des Jahres war sicher mein (und Steve Gregory’s) Geburtstag, der 4. September…!…
Wir erfuhren, dass mein Freund und Mentor Rico Rodriguez gestorben ist (just nach dem Ausblasen)… ausgesprochen abgelöscht…
Rico’s Geburtstag war der 17. Oktober, Todestag meiner Mutter, welche am 13. July zur Welt kam, am Todestag von Freund und Mentor Eddie Boyd …
Soviel zu Numerologie..
Im November fand noch die Premiere vom „Fuudyblutt“ im Casino, Basel an der Seybi (Barfüsserplatz) Statt…
2016
Die Fasnacht, an dem die Hülle fiel…
„fuudyblutt“ war gedruckt und vorfasnächtlig fleissig gespielt worden. Die Sache nahm also Fahrt auf. Es schien zu gefallen. Im Sommer wurde es in Bulle/FR zum Schweizermeister gekührt, und damit waren auch die Würfel gefallen: es wird rezidiviert.
Es sollte auch der kontinuierliche Aufbau des ‚virtuellen Instruktors‘ werden: eine Übungsplatform, ein sog. ‚virtueller Instruktor‚ mit tabellarischer Darstellung der Einzelstimmen inkl. Playbacks u.v.a.m…
hoffentlich mehr als nur eine „neumödische“ Übungs_Methode, Musik zusätzlich zur gewohnten Partitur akustisch zu erschliessen?…
Zur Exegese dieses virtuellen Instruktor’s siehe ab 2022…
Gerade im Fasnachtsgetriebe (erst seit 2011) lernt man stets neue Leute kennen (neue Begegnungen!), und so geschehen auch hier: in einem Gespräch mit Yvonne und Peter Schmid, ein älteres Ehepaar, emeritierte Pfeiffer und sehr verbunden mit Fasnacht et all:
sie wollten wissen, «wer ich denn sei» (in diesem Fasnachtszirkus)… sie hätten ja nie etwas gehört von mir… (weil erst 2010 reingestrudelt). So kamen wir dann auf den grösseren Umbau hier im Haus. Oma hatte gerade Kacheln (mit Instrument-Motiven) gemalt für’s neue Badezimmer im „Nord-Trakt“. Wir planten, eine zusätzliche Küche einzubauen (gleich neben dem Studio), und wussten noch nicht so recht, ob wir nicht einfach nur Wärmeplatte, Eiskasten und Waser installieren sollten oder wie…
Schmids meinten dann, wir könnten doch ihre (fast noch neue) Küche holen und einbauen (sie bräuchten sie nicht mehr, wegen Umbau o.ä.)!
Das war natürlich ein Riesengeschenk, das wir – mit unseren ‘Haus- und Tausendsassas’ (Hans-Jakob und Peter) abtransportierten un zwei Jahre später dann einbauten.
Oma pinselte noch das Tüpfelchen auf dem i und bemalte die Kacheln mit Schmid’s und uns Kuntzen, wo sie doch schon das Badezimmer „gekachelt“ hatte mit Instrumenten. Es wurde ein Kunstwerk der ExtraKlasse… voller Musik und stiller Betrachtung (mit lautem Dank nochmal an die Protagonisten der Sache dieser Begegnung…
Viel Geschwafel im Tipi allerdings beim Nachfolger (vom ‚fuudyblutt‘, als dem Schnuurepflutteri, bereits in der Pfanne):
2017
zur Fasnacht tobten noch ganz andere Blüten:
Die einen schoben den Fasnachtswagen am Sonntag abend vor dem Morgestreich in die Innenstadt… die anderen machten eben Fasnacht…
Der Sommer fand statt und man lauschte (in Chur mit LKJ und Andri) einem grossen Alphorn-Ensemble…
…ein schräger Einstieg zu einer anderen Liga kam von Grosswesir Archie Patterson aus Portland: der Initiator und Betreiber des Eurock Vertriebsnetzt, stachelte mich an, doch mal einen „Free source grammer“_Beitrag zu schreiben (so nannte er meine Schreibart) für ein eigenes (fantastisches) Kompendium über die „Europäische Szene“ und doch auch gleich
2018 einen filmischen Beitrag, einen „Clip“ über Mensch Music zu liefern zum vorgesehenen (eigenen) Eurock_Film, worunter Archie eigentlich ‚Krautrock‘ verstand.
Sohnemann Andri legte sich in’s Zeug, weil er damals genau auf solche Mandate abzielte mit seiner Ausbildung an der FHS in Chur. Mangels ‚geplanten‘, weiteren Beiträgen von vielen anderen „schrägen Gestalten“ kam der Film aber nicht zustande…
Dafür war nun der „TatterRabatt“ auf freier Wildbahn… (ein Nischengezwitscher für Afficionados)
2019
Peeni Waali wurde zum Tier des Jahres erkoren… (ein schönes Jubeljahr 10 Jahre danach!)… Mensch Music geht portabel (Laptop gerüstet).
Immer wieder Besuche vom Grossvesir aus London (LKJ). Er wünschte sich, einen „liegen gebliebenen“ Mix alter Tage
…und hier kam ein Filmriss (ComputerCrash mit Datenverlust etc.)
2020 (im Mai?) verlässt uns Beery! R.I.P.
Ein erschütternder Verlust……
der Mann mit dem Ponscho übermittelte mir die Nachricht…
Wir kamen überein, Cornelius Busers „Beeryade“ hier aufzunehmen. Ein grossartiges Stück! Eine tolle ‚recording session‘!
Erkenntnis unserer Bedeutungs_“Tiefheit“. Ganz und gar nicht das Gegenteil von derselbigen „Hoheit“. Aber beknallt scheint der Mensch bei jeder Gelegenheit immer mehr zu werden… (ob Jahrhundert- oder Dezenie_wechsel…)
Und das ‚weniger ist mehr‘ wuchert über die Langeweile des Ruhestands…
Ein „Seiteneffekt“ neben der Corona Hysterie mit all seinen gehässigen ‚Ver…“ (-dächtigungen, -zeigungen, -schwörungen) und Schlimmeres war sicherlich die Erkenntnis, alles ginge nicht mehr ohne reflektierte Aufarbeitung von Kontroversen und Enttäuschungen über gespaltene Beziehungen… Meinungen wurden zu Beziehungskeilen und – am schlimmsten – eine ganz Generation wurde eines unwiederbringlichen Lebensabschnitts beraubt…
Damit offenbart sich wie „selbstverständlich“ (zwingend) das Wohlergehen unserer nächsten Lieben ist, z.B. wenn sie mit Impfnachweisen von Universitäten ferngehalten werden! Da landet man doch gerne auf der Strasse… am besten auf dem Bundesplatz!…
Es „tödelet“ ringsherum, und gerade darum geht das Leben erst recht weiter:
Ein Face Music „outtake“/Projekt bietet sich an, einen Ausschnitt zu „vertonen“:
das wunderbare Sextet aus Khakasien bot mit Aufnahmen (2017) eine herrliche Vorlage, auf Beery’s seminale Komposition „Summervogel“ als Inspiration für einen Flügelschlag zu einem stillen Abschiedsgruss zu wagen… (es blieb – leider – immer unvollständig/nicht ‚erschlossen‘ mangels „Mitmachlust“ anderer… (man kann doch nicht immer alles allein stemmen!…)
2021
Aber wo es doch so viel mehr als einfach nur zu „sein“ scheint, was TUN? Was ist machbar? Nur noch fühlen, was gut ist, ganz ohne Glaubensbekenntnisse? Achtung, fertig, loslassen?
…imagine no posessions!
Gerade die Narben eines erfüllten Lebens prickeln umso mehr beim unvermeidlichen Loslassen.
Also ab auf die Müllhalde mit 300 kg CDs… der gesamte Mensch Musik Katalog… Lockdown_Zeit für ein bisschen Musik!
Sicher / geschätzt 4’000 Stück, wenn nicht mehr! Ein schwerer Stein, der doch von Herzen fällt…
Etwas erschaffen bleibt Kredo: nebst dem da kommenden „Schnuurepflutteri“_Pfeiffer_Tohuwabohu, noch „schnell“ das Video eines unveröffentlichten Stückes von LKJ zusammengestellt, eine Elegie an Kamau Brathwaite (R.I.P.)…
…Vipassana (Meditation) und Ayahuasca Zeremonien nehmen mehr und mehr Zeit und Platz ein… das Bedürfnis den alten Geistern und Dämonen zu „verzeihen“ o.ä…
…neue musikalische Konzepte steigen aus dem Leerlaufnebel…
…der erfreuliche Seiten-Kick macht den Rest:
die frühen Aufnahmen von „Kulu“ (1981 – 1986) werden neu/wiederveröffentlicht auf dem französischen Label „Décale“. Geplant dazu war eine Bonus Kassette (!) mit Outtakes; alles in einem DoppelUmschlag, welcher das Gesamtgemälde (von Alex Rabus) zeigt, mit mehreren Neuauflagen/Neufassungen/’Outtakes’…
+ das weiter unten erwähnte Stück, (bzw. die Vorbereitungen dazu)… kurzum
fortlaufende Begegnungen…
2022
was lange dauert, soll auch gut Weile haben… :
„Schnuurepflutteri“ war zwar bereits unmittelbar nach „fuudyblutt“ im Köcher, aber es brauchte viel ‚Mutationen‘, weil immer wieder irgend etwas nicht genehm war o.ä., also wurde die Veröffentlichung zurückgestellt, und ich tüftelte ein „unmögliches Video“ (aus „Rache wegen ewiger Nörgelei“), woraus der ‚Tatterrabatt‘ (2016) destilliert wurde, aber – als „Strafe“ – mit einem 7/8tel Einstieg….
Mein Selbstvertrauen war gefestigt auf den Punkt, allen Unkenrufen zum Trotz, mir nicht mehr dreinfunken zu lassen, bzw. in Zukunft alles so zu gestalten, wie ich es für ‚richtig‘ halte…
Darum kam „TatterRabatt“ zwar vor dem Schnuurepflutteri raus… – ohne Trommeltext – aber zusammen uraufgeführt in Géralds formidablem Herbschtkonzärtli…
Im Sommer begannen hier (vor dem Haus) die gefürchteten Umbauten vom Umschwung, was mit einem symbolträchtigen Kalschlag beginnen sollte, der bis heute anhält, die Vögel (Raben und Elstern) in Unruhe zu versetzen: jedes Jahr kommen sie und beschauen sich die traurige Überbauung, welche mit dem Verlust des mächtigen Nussbaums einherging. Ihre ganze Jugend und offensichtlich auch Nistplätze waren einfach nicht mehr da…
2023
der weitere Ausbau am Haus – der Ostbalkon – hatte bereits begonnen und die „Aussicht“ war mit dem ‚enger Wohnen’_Kredo der Baumatadoren erheblich geschrumpft…
Andri konnte mit einer Drohne just noch einen Überblick/-Flug festhalten, wie unser „G’hütt“ so in der Landschaft steht…
Die Musik dazu war dem Zeit- und Spieltrieb geschuldet…
und zur weiteren Bekämpfung von Unmut, keimte die Idee, mal ein Stück für „BassPiccolo wirklich an der Front“ umzusetzen. Ein Video lieferte die Steilvorlage dazu. Ich kontaktierte den Protagonisten, Xabier Diaz.
Auch ein Versatzstück vom/aus „Dragon Lunaire“ (aus Hadouks, bzw. Didier Malherbes Feder) durfte nicht fehlen.
Der Mann mit dem Poncho schickte postwendend eine Skizze mit einem Vorschlag inkl. einem eigenen Versatzstück…
…eine ausgesprochen erfreuliche, intensive Zusammenarbeit.
Der „Bâskilisk“ nahm Fahrt auf…
…ein pfiffiges 5/4tel Stück mit 3 BassPiccoli… eins im Cantus Firmus!
2024
das Jahr des Drachen (also auch meins)…
Zeit für eine Zeitenwende? Zuwendung zu einem neuen Lebensabschnitt?
Warum nicht schon mal Abbau vs. Umbau? Den Haushalt / das Studio entschlacken, entrümpeln, besser Arrangieren (die heilige Kuh der Musik!)… es scheint, der Refrain heisst ‚Loslassen’… auch das Ultra-rare… Refrain… Seminale… Refrain… Unverzichbare und -vergessliche… Refrain… vermeintlich integraler Bestandteil seiner selbst… Refrain…
Was bleibt ist der Wandel, also wechselt die Seite des „Fan vom haben, haben, haben, des Sammlers, des Archivars mehr und mehr auf die Seite zur Cabale der Wahrhaftigen… jegliche Sakrilege hergeben… wenn schon, dann nur noch dem „Sound huldigen“ o.ä.
…im allgemeinen also guten Mutes unterwegs… möge die Welt sich noch so verändern, alles ist möglich, alles wird „gehen“ solange wir bewusst gestimmt/intoniert bleiben und friedlich bestimmt bleiben…
2026
Allen Narben zum Trotz, wird’s Zeit, die Pfeiffer-Aktivitäten auf ein schmaleres Repertoire zu trimmen und nur noch zu spielen, was – ganz nach persönlichem Geschmack und Vorlieben – wirklich Spass macht… (vielleicht nochmal etwas schreiben, wer weiss…)…
Vielleicht schreibe ich mal etwas Persönlicheres…
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nachtstehend noch etwas Dokumentation vergangener Konsomationen, weniger dem Kreativen geschuldet, aber als Inspiration, „Quellmaterial“, Detail vom angestauten Vergangenheits_Balast im Zuge des Loslassens (vieles war ja bereits in der Mulde), ein Ausschnitt sensibler Schätze im „Inventar“:
Nebst all den o.e. Begegnungen wurde das Gehörte also mit dem Visuellen ergänzt.
Als hardcore Konzert_Pilgerer (von Mitte-60-er bis ca. Mitte-70-er) entstanden nicht nur Aufnahemen auf Band (Uher 4400 mit 30 cm Spulen, 19 rpm), sondern auch viele Photos, mit Photoalben und zahlreichen signierten LP’s.
…die Urformation von „Colosseum“ anlässlich eines Konzertes in Montreux an einem heissen Nachmittag…
Dick Heckstall-Smith (nach dem Konzert)
@ Sam: eins dieser Negative beinhaltet ein Photo von Eddie Boyd im „Brändis“ (eine ‚Disco‘ in Basel, wo ich auflegte…). Das könntsch mr jo denn emol bi Glägehäyt schicke, gäll?! (dort begann meine „Karriere mit Eddie“).
Crimso 1971 in England…
the Nice in Basel (1968)…
unvergessen bleibt die Erinnerung nach dem Konzert in den Kulissen des Theaters: eine grossartige Jamsession von Keith Emerson und Patrick Moraz!…
Diese (signierten) Alben sind mittlerweile auch sauber gescannt… genau so wie die Konzertmitschnitte davon digitalisiert wurden…
Die früheren Konzerte (wie Spooky Tooth, Yes, Fleetwood Mac u.a.m. von 1967 – ’69?) existieren nur als visuelle Dokumente…
Wie etwa Chicago Climax Blues Band, welche eine ganze Woche im ‚Atlantis‘ gastierte:
…während Cactus (in Montreux) bereits auch als Live-Aufnahme besteht (ein herrliches Konzert)… Carmine Apice und Tim Bogert mit Vanilla Fudge ein paar Jahre vorher (leider) just noch nicht!
Es sind sicher weit über 100 solcher Ereignisse gewesen… mit Pferdeposter (inkl. Fohlen!) et all…
Ein ‚Fundus‘ für wen? Und für was?
Wen interessiert heute eigentlich noch dieser Mick Taylor als 20-Jähriger bei John Mayall (hier in Basel, 1968 oder -69?)?
Ich brauche einfach den Platz für das grössere Bild. Im Hier und Da…
Aber Annekdoten/Zoten gab’s zuhauf, wie z.B.:
Das Konzert vom 4. Dezember 1971, der Tag an dem – während einem Frank Zappa Konzert – das alte Casino in Montreux warm saniert wurde („Smoke on the Water“). Um die Aufnahme dazu rankt sich eine spannende, authentische Geschichte:
Natürlich war auch dieses Konzert tadellos – verbotenerweise – aufgezeichnet (immer noch mit dem Uher 4400) und mehrmals (eigenhändig) digitalisiert worden – ca. 10 Jahre später hochauflösend und 2017 nochmals mit ziemlich identischem Resultat…
Das Band hat sich gut gehalten… Die Qualität bleibt einzigartig und ist auch heute noch – glaub‘ – die einzig existierende Aufnahme…
item… ca. 1990 oder ’91 (20 Jahre danach!) besuchte mich ein
er hätte viele tolle Aufnahmen zum Tauschen… er habe gehört, ich hätte dieses Zappa-Konzert…
Ich meldete sofort, dass ich keinerlei Absicht, etwas zu tauschen oder überhaupt Interesse daran habe, dass diese oder übehaupt Aufnahmen aus meinem Archiv veröffentlicht werden. Also plauderten wir eine Weile, es wurde spät, ich offerierte ihm Gastfreundschaft, nachdem wir uns das Konzert (auf einer Kassetten-Kopie davon) angehört hatten und ich diese Kassette … relativ „übersichtlich“ (!)… im Gerät hatte liegen lassen. Als ich am Morgen aufwachte, war besagter Ralph Thomas – inkl. Kassette – über alle Berge. Er wusste nicht, dass die Kassette nur eine Kopie war…
Ich rief ihn noch an, wollte ihn zu Red und Antwort stellen… er sagte, „so etwas“ würde er nie tun… kurzum… einige Monate später kam’s als Doppelalbum sowohl auf Vinyl als auch auf CD heraus mit genau dieser Aufnahme:
Warum ich so sicher bin, dass es „meine“ Aufnahme ist?:
Zum einen waren die Schnitte anders: die Uher Bänder mussten ja nach ca. 20 – 30 Minuten gekehrt werden (die Kassette erst nach 45 Minuten). Das heisst, der 45-Minuten_Schnitt ist ganz deutlich auf diesen Bootlegs zu hören (inkl. natürlich der 30 Minuten Schnitte), auch wenn das zusätzlich mit einer anderen Anordnung der Stücke zu beschönigen versucht wurde…
Die deutliche „Nahaufnahmen“ rühren daher, dass ich bei allen Aufnahmen von Konzerten immer die beiden Mikrofone unter den Haaren versteckt auf einem Schultergestänge solide montiert hatte. Darum hört man – am Ende der Aufnahme – beim Ausbruch des Brandes, deutlich auf einem der beiden Kanäle (es hatte in der Hitze des ‚Gefechts‘ eins der Mikrofone vom Uher 4400 ausrupft): „hou, dasch denn vrjääst… ha zerscht gmeint, das sey e Zappa-Witz“… und dann – mit relativ dickem franz._Akzent: „passes-moi la chemise… j’peux plus marcher… faut absolument que j’range mes microphones“… und… „hein, on reste ensemble“… bevor wir duch die Tiefgarage in’s Freie kamen…
Ich kontaktierte Frank Zappa (ca. 1990/’91), erklärte ihm das Missgeschick (ich war zum Zeitpunkt des Casino-Brandes gem. Schweizergesetz sogar noch minderjährig…!), und machte ihm folgenden Vorschlag:
gerne komme er doch in die Schweiz (grosszügige Einladung inkl. Familie für einen diskreten Aufenthalt im schönen Bündnerland) und ich schenke ihm das Original-Band, und dann könnten wir einen Schachmatt_Zug wie folgt angattigen:
Zappa bringt das Konzert auf seinem eigenen Label in seiner „Beat the Boots“_Serie raus, und gibt mir eine Europa-Lizenz für die Veröffentlichung der gleichen Aufnahme auf meinen Label „Mensch Records“.
Damit könnten wir dem Mistkerl das Handwerk legen, weil’s unter Kontinentalem Recht (Suisa, Gema, Sacem etc.) rechtsverbindliche Konventionen gibt, die in America nicht greifen (!).
Zappa meinte, ja, „sounds good, talk to my wife for schedules“ und reichte mir Gayle an den Aparat. Ich erklärte ihr die Sache ebenfalls, und sie fuhr mir wutentbrannt über’s Maul, was mir einfalle und „don’t you know that Frank never done anything for anybody else but himself“ u.a.m…. worauf ich meinte: „it’s never too late to start a good thing“…) und und und… kurzum…
Ende mit Piepston.
Eine Begegnung, die nicht stattfinden sollte…!…
Auf Discogs ist festgehalten, dass das Konzert effektiv auf Zappa’s „Beat the Boots 1992″ (im July) herausgekommen ist!…
Ich kenne diese Beat the Boots Ausgabe nicht, aber ich vermute, dass dort die originale „running order“ der Stücke wieder hergestellt worden ist, Schnitte hin, Schnitte her… man müsste das mit der eigenen Digitalisierung eruieren (daran habe ich nämlich/garantiert keine „SchönheitsOperationen“ unternommen…)…
Ob dieser Thomas die Kassette „einfach noch schnell“ an Zappa verkauft hat (bevor er sein „eigenes Bootleg“ rausgab), also ob das ein abgekartetes Spiel war…?
Wir werden’s nie erfahren, es sei denn, ich treffe mal auf dessen Sohn o.ä… (wenn Dweezel überhaupt in Vaters Firma involviert ist)…
Im Nachhinein (nach meinem Telefonat mit Gayle Zappa) versuchten mich diverse „Anwälte“ (… von Zappa’s Gnaden? o.ä…) zu überschnorren, ich müsse ihnen dieses Tape ausliefern, bzw. die Sache blieb „unverrichteter Dinge“…
Irgendwie kam mir noch zu Ohren, dass dieser Thomas im Knast gelandet sei; er sei der Drahtzieher von einem „berühmten Bootleg_Label“ (Quality Records) gewesen, das Label mit dem Schwein drauf…
Zappa starb 2 Jahre später (am 4. Dezember 1993, 22 Jahre nach „Smoke on the Water“… mich tschudderet’s!…
Auch beim 1970-er Pink Floyd Konzert (noch im alten Casino) gab’s ziemlich „Stunk“. Da kamen massenhaft Bootlegs (als CD’s) heraus. Sowohl vom Samstags- als auch vom SonntagsKonzert…
Man hat mir erzählt, dass viele versucht hätten, den Bandriss zu kaschieren mit anderen Version… sowas wär mir zu dumm gewesen, und stammt erst recht nicht aus meinem Archiv… vielleicht mal eine forensische Arbeit für Sam? 🙂
Auch die Aufnahmen von Colosseum (vor dem Swimming Pool am Casino) divergieren ’seltsam’… es gibt offensichtlich eine „offizielle“ CD (auf Repertoire Records…?…!…)… Die CD behauptet, es sei von einem Abendkonzert (von dem ich nichts wusste), und seltsamerweise decken sich die Aufnahme auf den Punkt meiner Nachmittagsaufnahme… (man hat einfach einen grossen Hall drüber gehängt…)… und die CD (erhältlich nur über MailingPost aus Deutschland…!…?…) erwähnt lustigerweise einen Frosch, der in’s Wasser springt…