Wenn man beobachten kann, dass Menschen nicht zwingend Musik (er)lernen müssen, sondern einfach wissen, wie sich ausdrücken,
dann entsteht Sound dithyrambisch
es geschieht einfach…
ganz ohne didaktische Methoden…
(es wird über den eigenen Schatten gesprungen!)…
mit einer mäeutischen Methode (durch geschickte Fragen, Erkenntnisse selbst zu entwickeln, vs. Wissen vorzugeben)…
…ein Modell über nachvollziehbare Erfahrungen für jedermann…

Im Eigenversuch mit Freunden (und später sogar an einer Schule) entwickelte ich zu diesem Zweck solch eine „erfassbarere Methode“ (eine regelbasierte Ordnung…!…),
eine rudimentäre, allseits vertraute Mathematik, einen grafisch erfassten Zählrahmen.

n.b. all dies lange Zeit vor volldigitalisierten Aufnahmeverfahren und K.I…

Dieser Rahmen zeigt links zwei Senkrechte Erzählungen.
Einerseits die linke Kolonne mit der Anzahl Takte (wo man steht im Lied) und
wo die Bandmaschine gerade steht (im besten Fall z.B. die Sekundenzahl).
So kann man (in einer Studio-Situation beim Aufnahme_Verfahren) kongruent kommunizieren
a) mit einem Musiker (der nicht mit Sekunden ‚zählt‘, sondern in Takten) und
b) mit dem Techniker (der nur wissen will, wo der Musiker steht, wo er das Band hinfahren muss für einen Einsatz o.ä.)
c) dem Musiker vollkommene Freiheit zu lassen. Man verweist nur auf „von wo bis wo“, aber lässt totale Freiheit zum „was oder wie“…

Den Anstoss zu dieser „Erfindung“ gab ein Koch (Pascal Cuche), der mich fragte, ob ich (als Küchengehilfe) mit ihm eine Säson „Winterskilager“ (in Champoussin) machen würde.
Gesagt getan.
Es wurden zwei konsekutive Wintersaisons der Extraklasse (bis 1982)…
Während dem Kochen – zu viert – für einen wöchentlichen Schwarm zwischen 80 – 100 junger Menschen, entstanden erstaunliche Symbiosen. Wir hatten natürlich das Monopol auf die (ausgezeichnete) Stereo-Anlage und die DJ-Hoheit mit ganz und gar nicht „alltäglichen“ Hörgewohnheiten. Es lief zwar „alles“ (von Klassik bis Avantgarde), allerdings auch oft ‚progressiv‘ (ungewohnt / schräg), aber immer positive (und geschätzte!) Beschallung.
Manchmal gab’s Konzessionen (musikalische Pferdeposter mit Fohlen), generell aber immer Groove und Heiterkeit.
Pascal – musikafin, aber gänzlich passiver Musikmelomane, entpuppte sich als wahrhaftig grossartiger Perkussionist: er trommelte unermüdlich (ausgesprochen feinfühlig / passend) auf allen Kasserolen, Deckeln und allem, was irgendwie zum Klingen gebraucht werden konnte.
Kurzum: ich baute ein rudimentäres (kleines) 8-Spur_System auf, holte den Synthesizer und – nebst PingPongSpielen, der beliebtesten Tätigkeit für alle – fingen wir an, mit all den Pfannen + ausgewählten „Perkussionen“ zu improvisieren.
Schnell wurde klar, dass da eine Klangwelt entstand, die es verdiente „irgendwie“ strukturiert festgehalten zu werden.
Ein System musste her, mit Nicht-Musikern „nachvollziehbar“ Musik zu generieren.
Die Küchenutensilien sind mir noch heute treue „Markenzeichen“, siehe……… und waren originell genug, doch mal „ein Stück“ einzustudieren. Also skizzierte ich „mein NotationsSystem“ spezifisch für Pascal’s Küchenbatterie wie folgt:

Links eine Referenzzahl (für den Fortschritt des Tonbandes) und daneben die „KadenzBausteine“ (der Einfachheit meistens Perioden von 4 oder 8 Takten)…
Ich liess Pascal (mit Kopfhörern) ein Metronom laufen und sagte ihm, er solle mit den Röhren (schräg gestrichelter Kugelschreiber) ab Takt 9 spielen, was ihm gerade so einfiel.

Nichts Kompliziertes. Einfach etwas, was er problemlos und angenehm rythmisiert – wie es ihm passte… dann 8 x 4 Schläge aussetzen und wieder 4 „gestrichelte“ Takte spielen usw.
Wenn der Röhrenträck einmal eingespielt war, suchte er sich ein anderes Küchenutensil (ein Schwingbesen, eine Suppenkelle, ein Pfefferfass, „das grosse Messer auf der Kante“, ein Suppentopf mit Wasser, was immer) und wir verteilten visuell die Stellen, wo solche Interventionen stattfinden sollten.
So entstand eine „Klangkulisse“ (und eine Steilvorlage) der Extraklasse, welche mich bis heute begleitet. Sei es für einen Werbespot, oder für eigenständes Stück („Nouvelle Cuisine“ auf der 2021-er Wiederveröffentlichung der ersten LP ‚Kulu Hatha Mamnua‘) mit zusätzlichen „wirren“ Einlagen (von Alan Kushan’s bezauberndem – microtonal gestimmten – Santur) u.a.m.
Die „Röhren“ sind übrigens zugeschnittene Strassenmarkierungen, zugeschnitten auf die „richtigen“ Töne (je nach Länge).
7 Jahre später (1987) machte dieser Sound Furore mit der Blueman Group, ein Novum damals… vielleicht so wie Angine de Poitrine heute (40 Jahre später) ein Novum darstellt… item… Blueman Groups Art, die Röhren mit Ping Pong Schlägern zu spielen nannte man dann BoomWackers (es schonte geschundene Handflächen)…

Zusammenfassend kann man diese ‚Partituren‘ also als zielführende Formalisierung für „unformale Musik“ betrachten und verwenden. Es funktioniert, weil es „unbekannte Sprache“ entschlüsselt zu einem „spielbaren Instrument“…
Man kann es visualisiert, numerisch verfolgen, aufnehmen zu einem ’strukturierten Stück Musik‘ – selbst mit ungewöhnlichen Klängen und/oder Geräuschen…

Und nochmals / vor allem: es ermöglicht einem Ausführenden, seine eigene „Formel“, „Spielweise“ einzubringen in vollkommener kreativer Freiheit, nur von hier nach da zu spielen…
…so wie die Musik immer schon dagewesen ist, keinen erfassbaren Anfang hat, nie endet…
Nada Brama

(organise sound into music)…
The reference is just TIMING, hence counting and FEELING (to make things groove / be on time)…

and/or
„Kulu Hatha Mamnua“
in two different versions. The first 2 pages were the basic rythm structure, and page 3 and 4 there is another set of „notations“ for further instrumental overdubs…
And the left side of the page you can see now the measure number and the (tape)position number (blanked out, though). Both of these positions are useful in a recording environment in order for me engineering/orienting a session technically and communicating musically with the musician at work… and all of it WITHOUT sheetmusic…

… And here’s another real partition of score harboured out initially for e short movie (a pre-youtube sortof):
„Paper Mensch“, abandoned because simultaneously there was this movie „The NeverEnding Story“ (from the original book „Die unendliche Geschichte“) that treated more or less the same ’story‘. My own version of Paper Mensch was more a reflection of my 3 years bow-tie job/period… 🙂

and „Adieu“