{"id":4268,"date":"2025-03-22T10:47:57","date_gmt":"2025-03-22T10:47:57","guid":{"rendered":"https:\/\/mensch3000.ch\/?page_id=4268"},"modified":"2025-03-22T10:47:57","modified_gmt":"2025-03-22T10:47:57","slug":"cantiga-saga","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/mensch3000.ch\/en\/cantiga-saga\/","title":{"rendered":"Cantiga Saga"},"content":{"rendered":"<p><strong>Wie der Drache zum B\u00e2s<\/strong><strong>k<\/strong><strong>ilisken wurde<\/strong><\/p>\n<p>Eine ziemlich wahre Geschichte \u00fcber Musik und warum das Straucheln kreatives Potential hat<\/p>\n<p>Die Eierschale hatte bereits Spr\u00fcnge bekommen. Es tat sich etwas im Innern der H\u00fclle. Energisch pickten Krallen und rieben Schuppen an der Schale. Dann brach das Ei entzwei und heraus kam ein kleiner gr\u00fcner Drache. Er sch\u00fcttelte den letzten Rest der H\u00fclle von sich und versuchte ein wenig Feuer zu spucken. Das Ei zu knacken war doch anstrengend gewesen, so setzte er sich ersch\u00f6pft hin und schaute sich um. Ein Bach rauschte zu seiner Linken und \u00fcber ihm w\u00f6lbte sich eine alte Steinbr\u00fccke. Mit einem langen G\u00e4hnen klappte sein erstaunlich grosses Maul auf. Ein erstes Nickerchen ausserhalb des Eies w\u00fcrde ihm guttun, sagte er sich und rollte sich an einer moosigen Stelle ein. Gerade driftete er ins Land der Tr\u00e4ume ab, als er durch ein Ger\u00e4usch wieder geweckt wurde. Er spitzte seine kleinen Ohren so gut er konnte. Was war das? Es schnipste, es klatschte und er h\u00f6rte Stimmen \u2013 doch da war noch mehr. Die Stimmen h\u00f6rten sich gut an. So gut, dass er vergass, dass er hatte schlafen wollen. Vorsichtig stand er auf und kroch so weit an die Steinbr\u00fccke heran, dass er \u00fcber das Gel\u00e4nder schauen konnte. Einige Frauen sassen da, schnipsten mit den Fingern und klatschten einen komplizierten Rhythmus. Begleitet wurden sie von drei Musikern, einer davon sang ein Lied. Der Drache kannte Musik \u2013 aber viel leiser und ged\u00e4mpfter. In seiner Eierschale waren nie alle T\u00f6ne durchgedrungen. Die Melodie ging ihm geradewegs von den Ohren ins Herz. Er begann sich in den H\u00fcften zu wiegen und schliesslich brummelte er mit. Bisher hatte ihn die Musikgruppe nicht bemerkt, doch nun, da seine Stimme sich ein bisschen wie ein Donnergrollen anh\u00f6rte, wurden sie auf ihn aufmerksam. Der Geiger liess den Bogen sinken und sah zum Himmel. Auch einige Frauen schauten sich um, bis eine mit Klatschen aufh\u00f6rte und mit grossen Augen auf den Drachen zeigte. Die Musik brach Note f\u00fcr Note ab und der Drache h\u00e4tte sich am liebsten unter der Br\u00fccke verkrochen.<\/p>\n<p>\u00abKomm doch herauf!\u00bb riefen jedoch bereits einige Frauen und winkten. Vorsichtig kam er n\u00e4her und sofort wurde er umringt. Hier wurde neugierig \u00fcber eine Schuppe gestrichen, dort fuhr jemand \u00fcber seine Ohren. Hatten die Menschen Angst vor ihm? Mochten sie ihn?<\/p>\n<p>Schliesslich wagte er es, sich aufrecht hinzustellen und einigen direkt in die Augen zu sehen.<\/p>\n<p>\u00abIhr macht so sch\u00f6ne Musik. Ich wollte mitsingen\u2026\u00bb<\/p>\n<p>\u00abHm, das musst du noch ein bisschen \u00fcben!\u00bb lachte der S\u00e4nger. \u00abZeigst du mir, wie das geht?\u00bb fragte der Drache. Und seine Lehre begann.<\/p>\n<p>Jeden Tag nahm sich der Musiker nun Zeit f\u00fcr den Drachen und \u00fcbte Intervalle, Tonleitern und Melodien mit ihm. Und wenn es ihm besonders gut gelang, leuchteten seine Schuppen silbern und golden. Wenn er aber ausser Atem geriet oder einen Ton nicht getroffen hatte, entfuhr ihm eine Stichflamme.<\/p>\n<p>Als die Tournee der Truppe bei der Br\u00fccke zu Ende ging, setzten sie ihre Reise fort. Der Drache war sich nicht schl\u00fcssig, ob er mit den Menschen mitgehen sollte oder nicht. Doch da rief ihm schon jemand zu: \u00abKommst du?\u00bb. Seine Drachenstimme hatte sich zu einem warmen, tiefen Bass entwickelt, mit dem er die Lieder begleitete.<\/p>\n<p>Nun ging es quer durch die Lande und schliesslich kamen sie in einer Stadt mit einem breiten Fluss an. Der Drache z\u00e4hlte vier F\u00e4hren und f\u00fcnf Br\u00fccken. Er passierte eine Br\u00fccke, dann die zweite und bei der dritten zuckte er zusammen. Was war das f\u00fcr eine Darstellung bei den Pfeilern? Er hatte ein Tier entdeckt, das ihm zwar sehr \u00e4hnlich war, aber doch nicht vollkommen glich. Der Kopf hatte etwas von einem Hahn, eine Schlange konnte darin auch erkannt werden. Er fragte eine der Frauen seiner Musikgruppe. Sie dachte kurz nach und erkl\u00e4rte dann: \u00abLieber Drache, das ist ein Basilisk. Er steht f\u00fcr eine giftige Drachenart, f\u00fcr einen Schlangenk\u00f6nig, ein Mischwesen. Woher er kommt, wird in etwa so beschrieben: Ein alter Hahn legt ein Ei in den Mist, dieses wird von einer Schlange, manchmal auch von einer Kr\u00f6te, umschlungen und durch deren W\u00e4rme ausgebr\u00fctet. Es schl\u00fcpft daraus der Basilisk, der allein durch seinen Blick oder Atem einen Menschen t\u00f6ten kann.\u00bb<\/p>\n<p>Der Drache erschrak und zog den Kopf ein. Die Frau strich ihm leicht \u00fcber die Schuppen: \u00abHier wurde schon lange kein leibhaftiger Basilisk gesehen, du brauchst dich nicht zu f\u00fcrchten.\u00bb<\/p>\n<p>\u00abAber vielleicht f\u00fcrchten sich die Menschen vor mir?\u00bb fl\u00fcsterte der Drache. Da erst fiel der Frau die \u00c4hnlichkeit der beiden auf. Wieder ber\u00fchrte sie beruhigend seine Schuppen: \u00abDeine Sanftmut sehen dir doch alle an, du machst Musik, du bist freundlich\u2026\u00bb &#8211; \u00ab\u2026 und ich spucke Feuer, wenn ich den Ton nicht treffe! Das ist doch erschreckend???? Vielleicht denken sie dann doch, ich bin ein Basilisk und wollen mich t\u00f6ten?\u00bb Da umarmte die Frau den Drachen ganz fest. \u00abDu bist der sanfteste und sympathischste Basilisk der ganzen Stadt!\u00bb<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen wachte er mit dem Gedanken auf: \u00abIch bin ein sanfter und friedlicher Basilisk!\u00bb Schwungvoll h\u00fcpfte er aus dem Bett und krachte aus Versehen gegen den Tisch. Schmerzhaft verzog er sein Gesicht und rieb sich den Vorderfuss und einen Fl\u00fcgel. Nun hatte er die Bescherung: er hatte sich den Fuss und den Fl\u00fcgel verstaucht und hinkte.<\/p>\n<p>Statt \u00fcber die Br\u00fccken zu laufen oder zu fliegen, fuhr er jetzt mit der F\u00e4hre. Alle 25 Basilisken-Brunnen der Stadt wollte er abklappern. Vielleicht war er ja nicht der einzige nette Drachen\u2026<\/p>\n<p>Gerade humpelte er auf eine Brunnenfigur zu, als er den Eindruck hatte, beobachtet zu werden. Langsam drehte er sich um und schaute einem Mann in die Augen: \u00abWer bist du und was ist dir passiert? Du hinkst ja!\u00bb<\/p>\n<p>\u00abIch bin ein freundlicher Basilisk und heute Morgen aus dem Bett gefallen\u2026\u00bb<\/p>\n<p>\u00abIch hab\u2019 f\u00fcr dich etwas zum Trost\u00bb, sagte da der Mann und holte aus seiner Manteltasche eine kleine Fl\u00f6te, auf der er gleich zu spielen begann. Die T\u00f6ne hallten zwischen den H\u00e4usern hell und klar und als der Mann damit fertig war, f\u00fchlte sich der friedliebende Basilisk etwas leichter.<\/p>\n<p>\u00abEs geht mir besser \u2013 das hat deine Musik gemacht!\u00bb freute er sich.<\/p>\n<p>\u00abSch\u00f6n, hat dir mein neues St\u00fcckchen, das Hinkebein, gefallen. Ich habe es gerade speziell f\u00fcr dich erfunden.\u00bb<\/p>\n<p>Erneut spielte es der Fl\u00f6tenmann und der Basilisk fiel mit seiner Bassstimme ein. Als sie geendet hatten, wollte sich der Drache auf den Nachhauseweg machen. Doch da rief eine Stimme: \u00abHalt, bleib wie du bist! Ich bin noch nicht ganz fertig!\u00bb Ein junger Mann skizzierte mit leichter Hand auf seinem Block ein Portrait vom Drachen mit der riesigen Kirche im Hintergrund. Nun schaute er zufrieden auf sein Werk. \u00abHier, f\u00fcr dich!\u00bb damit \u00fcberreichte er die Zeichnung dem Drachen. Sorgsam rollte dieser sie zusammen und verstaute sie in den Tiefen seiner Schuppen. Am besten gefiel ihm, dass er so freundlich auf dem Bild aussah.<\/p>\n<p>Bald war das Engagement der Truppe auch in dieser Stadt vorbei, Fuss und Fl\u00fcgel waren dank der Hinkebein-Medizin wieder voll einsatzf\u00e4hig. Am Tag der Abreise schlug der Basilisk daher vor: \u00abSetzt euch alle auf meinen R\u00fccken! Fliegen wir doch in die n\u00e4chste Stadt!\u00bb<\/p>\n<p>Schnell waren alle auf den Drachen geklettert und los ging der Flug. Nach zwei Stunden sahen sie den \u00fcber 300 Metern hohen, schlanken und grazilen Turm, das Wahrzeichen dieser Stadt. Durch die Eisenkonstruktion des Turmes schimmerte die Sonne und blendete den Drachen. Er blinzelte und versuchte, das Bauwerk in einem weiten Bogen zu umfliegen. Bei der Landung geriet er dennoch ins Straucheln, weil er beinahe im Fluss gelandet w\u00e4re und nur mit knapper Not gelang es ihm schliesslich, sich selbst und die Musiktruppe gesund auf den Boden zu bringen. Ungl\u00fccklicherweise rempelte er dabei einen Mann an: \u00abQu\u2019est-ce que tu bascules par ici?\u00bb fragte ihn dieser emp\u00f6rt.<\/p>\n<p>\u00abOhh, das tut mir leid! Die Sonne\u2026 der lange Flug\u2026\u00bb stotterte der Drachen. Der Mann betrachtete ihn skeptisch: \u00abQui es-tu?\u00bb<\/p>\n<p>\u00abC\u2019est notre dragon!\u00bb riefen die Musikerinnen. \u00abIl est tr\u00e8s gentil, vraiment!\u00bb riefen die Musiker. \u00abEigentlich bin ich ja ein friedfertiger Basilisk\u2026\u00bb nuschelte auch der Drache.<\/p>\n<p>\u00abUn Basilisk? Mais enfin! Je crois que tu es plut\u00f4t un B\u00e2sculiste! \u00bb<\/p>\n<p>Gerade wollte der Basilisk, der soeben zum B\u00e2skilisken geworden war, etwas erwidern, als der Blick des Mannes auf den Geigenkasten fiel. \u00abVous fa\u00eetes de la musique?\u00bb Und flugs zog auch er eine Fl\u00f6te aus der Tasche und pfiff ein Lied. Als er geendet hatte, klatschten alle. Da verbeugte sich der Fl\u00f6tist und schaute verschmitzt zum B\u00e2skilisken: \u00abEt voil\u00e0 \u2013 c\u2019etait \u201eLe Dragon Lunaire\u201c pour toi! C\u2019est vrais, tu es un dragon sympa et un tr\u00e8s, tr\u00e8s gentil B\u00e2skilisk!\u00bb<\/p>\n<p>\u00a9 &amp; p <em>by FassiNATION alle Rechte und Linke mir vorbehalten<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie der Drache zum B\u00e2skilisken wurde Eine ziemlich wahre Geschichte \u00fcber Musik und warum das Straucheln kreatives Potential hat Die Eierschale hatte bereits Spr\u00fcnge bekommen. Es tat sich etwas im Innern der H\u00fclle. 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