Artikel von Albrecht Piltz in "Keyboards" (D) - April ‘91

Was wird uns nicht alles unter dem Etikett "World Music" angedient! Hier sind Roots-Sounds, die diesen Namen wirklich verdienen: auf seinem vierten Album schlägt der Keyboarder, Produzent, Label- und Studiobesitzer Fizzè Brücken vom jamaikanischen Kingston ins irische Dublin ("Irish Irie"), vom saudiarabischen Dschiddah ins schweizerische Lausanne ("Skarab"). Dass der Stilmix keine Spur akademisch wirkt, sondern desto mehr Eigenleben entfaltet, je öfter man ihn geniesst, liegt erstens an Fizzè’s beachtlichem Talent, "atmende" Computersounds zu kreieren und ökonomisch einzusetzen; zweitens an der messerscharfen Logik, mit der er Reggae und Reel, Muezzinruf und Alpenelektronik zusammenklammert; und drittens an der tätigen Mithilfe so kompetenter Freunde wie Lee "Scratch" Perry, Dennis Bovell, Linton Kwesi Johnson, Rico und Robbie Shakespeare, die dieser Global Music Authentizität verleihen und deren Namen bereits verraten, in welchem Rhythmus das Herz des Schweizer Kospmopoliten schlägt. "The Dawn of Peeni Waali" gibt’s übrigens auf CD, Vinyl, MC und DAT, und keine Version klingt wie die andere - treffen Sie Ihre Wahl!

 

 

Artikel von Albrecht Piltz, erschienen in "Keyboards" (D), Ausgabe 5/96

Im Frühjahr '91 veröffentlichte der Schweizer Studiotüftler Fizzè auf seinem eigenen Label Mensch Music ein Album, das nicht nur vom Keyboards-Rezensenten gepriesen wurde: "The Dawn of Peeni Waali", ein so kosmopolitischer Mix aus Rock, Jazz, Irish Folk, Afro-Sounds und Reggae-Rhythmen, dass selbst ein Peter Gabriel hätte neidisch werden können. Daran beteiligt waren Musiker wie Lee Perry, Linton Kwesi Johnson und Rico - Namen, die Reggae-Kennern auf der Zunge zergehen. Lange musste man auf einen Nachfolger des Wunderwerks warten. Im Herbst dieses Jahres soll es so weit sein: Peeni Waali meldet sich zurück.
Vorweg, als Appetitanreger, gibt's einen Zusammenschnitt aus zwei ineinander verhakte Mensch Music Alben: "Kulu Hatha Mamnua" (1981-85) und "Manoeuvres d'Automne" (1987):
24 Titel, zum Teil neu abgemischt, zum Teil originalbelassen. Dazu: bislang Unveröffentlichtes wie "Colorace", ein spannendes multi-linguales (Englisch, Spanisch, Schwyzerdütsch) Crossover aus Folk-Blues und Tango Nuevo, mit Taj Mahal als "Erzähler": "When I was born, I was black... When I go in the sun, I'm black... And when I die, I'll be black." Keine Resteverwertung also, sondern ein brandneues Fizzè-Puzzle, das - Fanfare für die Weltpremière! - in einer Verpackung aus biologisch abbaubarem Hanfkarton kommt.
5 Exemplare des ökologisch garantiert unbedenklichen Teils für Keyboards-LeserInnen zur Verfügung. Wer zu spät kommt, verpasst was.

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Artikel von Albrecht Piltz, erschienen in "Keyboards" (D), Ausgabe 10/97 (Original leider verhühnert)

Peeni Waali is back! Der Leuchtkäfer strahlt wieder, und der Sammler freut sich: Mensch, Fizzè, was hast du da wieder zusammengeschraubt! 17 Titel, in denen zusammengewachsen ist, was so wohl nur auf deinem Berg zusammenwachsen konnte: Reggae-riddims und Schweizer Hackbrett-Folklore, Afro-Blues und Euro-Jazz, Rock-Gitarren und Soul-Gebläse. Damen und Herren, wir haben die Ehre, Ihnen den Nachfolger des 1991 erschienenen Fizzè-Albums "The Dawn of Peeni Waali" (Keyboards-Sammler schlagen in Ausgabe 4/91 die Seite 80 auf!) zu präsentieren und Sie einzuladen in eine Villa Kunterbunt, in der nicht nur Vertreter diverser Kulturen und unterschiedlicher musikalischer Traditionen aufeinandertreffen, sondern sich auch Instrumentalisten aus der internationalen Oberliga die Klinke in die Hand geben. Begrüssen Sie mit uns (um nur einige wenige zu nennen): Georgie Fame, Barbara Dennerlein, Rico Rodriguez, Steve Gregory, Dennis Bovell, Earl "Chinna" Smith, Linton Kwesi Johnson, Taj Mahal, den zuletzt am Joe Zawinul-Album "My People" beteiligten sibirischen throat-Vokalisten Bolot und unseren ewig jungen Upsetter Lee "Scratch" Perry, der im Opener "Nice Time" einen Rap ablässt, dem wir uns nur anschliessen können: "I like it in Switzerland...". Ja, wirklich, wnn der Schweizer Produzent, Arrangeur, Mixer und Multi-Instrumentalist (fl, kb, b, g, vibes) Fizzè seine Musikerfreunde in die Alpen einlädt, sie bekocht, auch sonst nach Kräften bemuttert und sich am Ende hinters Mischpult schwingt, kann man darauf wetten, dass nichts anderes dabei herauskommt als World Music, die ihren Namen verdient. Denn da werden die Gräben zwischen den Kulturen nicht im Sinne eines gut gemeinten, aber politisch stumpfen Multikulti-Bewusstseins zugeschüttet, sondern produktiv genutzt. Und was das Schönste ist: niemand schielt auf irgendwelche Charts-Notierungen; es wird, simple as that, über Ländergrenzen und Kulturbarrieren hinweg kommuniziert und in Freundschaft musiziert. Überzeugen Sie sich selbst! Mehr zum Thema in einer der nächsten Ausgaben.

Fussnote: Welche CD’s hört der Rezensent privat? Und warum diese?

Weil der Schweizer Fizzè kapiert hat, dass es nicht reicht, möglichst viele Top-Instrumentalisten aus aller Herren und Frauen Länder um sich zu versammeln, wenn man "Weltmusik" machen will. Nein, die Musik muss auch Seele haben, und diese hat sie. Und "Bauch" hat sie auch!

 

 

Artikel von Albrecht Piltz, erschienen in "Keyboards" (D), Ausgabe 03/00

 

Dass Dub-Grossmeister Lee Scratch Perry vor einigen Jahren in die Schweizer Berge umgesiedelt ist (von denen aus er dem Vernehmen nach gern launige Megaphon-Ansprachen an die Eidgenossen im Tal richtet), hat wohl weniger mit der guten Alpenluft zu tun, sondern eher damit, dass dort mittlerweile ein bodenständigerer Reggae gespielt wird als in Kingstontown. Verantwortlich dafür ist der Multiinstrumentalist und Produzent Fizzè, der seit Mitte der Achziger im kleinen Weite ein Studio der offenen Tür unterhält, in dem sich Musiker aus aller Welt die Klinge in die Hand geben, die ausnahmslos zu den Spitzenkräften ihres Fachs zählen. Auch das Line-up auf der dritten Veröffentlichung des Fizzè-Projekts "Peeni Waali" (zu den Vorgängern siehe Keyboards 4/91, 10/97) könnte manchen Producer mit dem Budget einer major company vor Neid erblassen lassen; Namen wie Robbie Shakespeare (bass), Rico (trombone), Dennis Bovell (vocals, bass, guitars), Earl "Chinna" Smith (guitar), Steve Gregory (reeds), Tobias Morgenstern (accordion), Dean Frazer (sax), Linton Kwesi Johnson und Taj Mahal (spoken words), Georgie Fame und Barbara Dennerlein (Hammond B 3) - nicht zu vergessen Lee P. - bedürfen keines Kommentars. Mehr noch als die hier nur unvollständig wiedergegebene Liste machen jedoch die Unbekümmertheit und Souveränität staunen, mit der die bunte Riege unter Fizzès Regie jamaikanische Riddims mit alpenländischer Folklore, französischem Chanson, Jazz- und Pop-Klassikern verbandelt. Ob Eigenkompositionen wie die überhaupt nicht peinliche Anti-Rassismus-Epistel "Colorace" oder Material aus der Feder von - zum Beispiel - Bob Dylan ("Man gave names to all the animals"), Duke Ellington ("Satin Doll"), Rogers/hart ("Blue Moon"), Brian Wilson ("God only knows"), Anton "Zither" Karras ("Der Dritte Mann") und Cole Porter ("I've got you under my skin"): dies ist "Weltmusik", die ihren Namen ausnahmsweise einmal verdient hat. Wer nach dem vorliegenden Doppeldecker auf den kosmopolitischen Geschmack gekommen ist, sollte sich umgehend die 1999 auf Linton Kwesi Johnsons Label (LKJ Records) erschienene Fizzè-Produktion "The Peeni Waali Phenomenon" besorgen: weiterer Stoff aus dem Hause Mensch, der beweist, dass "Peeni Waali" in Zeiten des gnadenlos durchformatierten Dudelradios ein wahrlich formidubles Phänomen ist.